The
Nuclear-Free Future
Award

in the Category


SPECIAL RECOGNITION

is presented to

SUSAN BOOS

SWITZERLAND

Heiden
29 September 2012

Susan Boos

Am Anfang stand der Zufall, wie so oft im Journalismus. Susan Boos – schon damals Radakteurin der Züricher “Wochenzeitung” (WOZ) – reiste zu Beginn der neunziger Jahre in die Ukraine, um Freunde zu besuchen, und lernte Ljuba Kowalwska kennen, die aus Pripjat stammte, der Stadt gleich neben dem AKW Tschernobyl. Während Tagen war man zu dritt bei Ljuba in Kiews winziger Wohnung zu Gast. Ljuba erzählte vom einst privilegierten Leben in Pripjat und berichtet, wie sie den 26. April 1986 erlebt hatte, der Tag, an dem der Reaktor explodierte. Sie erzählte von der Evakuierung und ihrem neuen Leben, das nicht mehr ihres sei.

..

Mit Ljuba reiste Boos später das erste Mal nach Pripjat in die Zone, die hoch verseucht ist und wegen des Plutoniums über Jahrtausenden gesperrt bleiben wird. Sie seien in Ljubas ehemalige Wohnung gegangen, erzählt Boos, vom Dach des Wohnblocks habe man einen zauberhaften Blick über die Stadt gehabt: “Wer das gesehen hat, kann nie mehr an die Beherrschbarkeit der Atomkraft glauben. Die Stadt scheint still und friedlich. Alles wirkt beherrscht – doch das Entsetzen ist da, in dieser unendlichen Stille und Leere.”

..

Boos wollte genauer wissen, was der Super-GAU mit einer Gesellschaft anstellt. 1995 kehrte sie mit einem befreundeten Fotografen nach Kiew zurück. Während Monaten recherchierten sie, sprachen mit Aufräumarbeitern, mit Behördenvertretern, Wissenschaftlern, Ärzten und Betroffenen. Nachzulesen sind ihre Geschichten in Boos’ Buch “Beherrschtes Entsetzen – das Leben in der Urkaine zehn Jahre nach Tschernobyl”.

..

“Man hat aus Tschernobyl nichts gelernt und das Erschreckende: die Sowjets haben die Menschen zum Teil besser geschützt, als das jetzt in Japan geschieht.”

..

Was nachher kam, war die logische Fortsetzung, sagt Boos: Für die “Wochenzeitung” begann sie sich intensiv mit der Schweizer Atompolitik zu beschäftigen. Sie schrieb zahlreiche Artikel und verfasste “Strahlende Schweiz”, ein Handbuch zur Atomwirtschaft – das übrigens mit dem Motto beginnt: “Bei der Kernenergie gibt es nur zwei Gruppen von Leuten: Kernenergiegegner und Leute, die nicht genug nachgedacht haben.”

..

Das Thema führte Boos später in viele Länder, sie schrieb über die strahlenden sowjetischen Altlasten in Tadschikistan, über Endlagerprojekte von Yucca Mountain (USA) bis nach Äspö in Schweden. Sie hatte den absaufenden deutschen Salzstock Asse besucht, wo Tausende von Atommüllfässer verrotten, und sie hat sich den Bau des ersten neuen europäischen Druckwasserreaktors in Olikiluoto (Finnland) angeschaut. Als dann in Fukushima gleich drei Reaktoren miteinander ausser Kontrolle gerieten, kam das selbst für Boos überraschend. Sie schrieb in der WOZ: “Wenn ich ehrlich bin: Ich habe selber nie geglaubt, dass es jemals passieren wird – es war abstrakte Logik, die einem sagte, dass es passieren könnte.”

..

Sie wollte es erneut genauer wissen und reiste im Herbst 2011 zweimal nach Fukushima und sprach auch dort wieder mit Wissenschaftlern, Betroffenen, Anti-AKW-Gegnern, Behörden- und Tepco-Vertretern. Entstanden ist das Buch “Fukushima lässt grüssen – Die Folgen eines Super-GAUs”, das zu zeigen versucht, wie ein hochindustrialisiertes Land wie Japan mit einem Super-GAU umgeht. Boos’ Fazit: “Man hat aus Tschernobyl nichts gelernt und das Erschreckende: die Sowjets haben die Menschen zum Teil besser geschützt, als das jetzt in Japan geschieht.”