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Nuclear-Free Future
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DR. GORDON EDWARDS

CANADA

Window Rock
1 December 2006

Gordon Edwards

Kanada ist noch immer Frontier: Was an der Hudson Bay am Lagerfeuer besprochen wird, macht bald auch am Großen Bärensee die Runde. Und umgekehrt. Und im Norden tritt man sich nicht auf die Füße, da kennt man sich, und der Ruf des Einzelnen reicht weit.Egal, ob ein Umweltskandal in Labrador oder ein ökologisches Problem in den Rocky Mountains: Die Kanadier rufen nach David Suzuki, dem Fernsehmann aus British Columbia. Ähnlich ist es bei Fragen der Atomenergie, sei es ein Störfall bei einem Reaktor in Ontario oder Probleme mit einer Uranmine in Saskatchewan: Wenn die Widerstands gruppen vor Ort einen Experten brauchen, rufen sie Gordon Edwards aus Montreal. Und der Mathematiker mit der sanften Stimme lässt nicht lange auf sich warten.

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Seit drei Jahrzehnten gehört er zu Kanadas Front figuren der Anti-Atom-Szene. Seine Fähigkeiten der Wissensvermittlung in Mathematik und Physik, die ihm bereits eine goldene Medaille der University of Toronto eingebracht haben, kommen ihm auch in seiner Aktivistenrolle zugute: Mühelos, mit Witz und analytischer Treffsicherheit und bestechenden Bildern zerlegt er den mit enormen Werbemitteln gefütterten Mythos der sau beren Atomenergie. Ein Auftritt von Gordon Edwards gehört zu den Höhepunkten einer Demonstration.

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“Schau den nuklearen Problemen ins Gesicht und fürchte dich nicht – nur wenn du ein Problem verstanden hast, kannst du anfangen, es zu lösen.”

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Schon früh begnügte er sich nicht, wie andere Gruppen, mit dem Thema Reaktorsicherheit, und ging, oft zusammen mit seinem Mitstreiter, dem Fotografen Robert Del Tredici, zu Anhörungen der Atomindustrie in den Norden von Saskatchewan. Dort lieferte er sich gern einen Schlagabtausch mit Vertretern der Regierung und der Atomindustrie. Gemeinsam produzierten Edwards und Del Tredici beispielhafte Aufklärungsschriften über Uranabbau und Landkarten über das nukleare Kanada. Dr. Edwards wies als erster nach, dass die Grenzwerte, die die kanadische Regierung für Radongas festsetzte, sechsfach überhöht waren – eine Aussage, die später von der ‘Medical Association in British Columbia’ and der ‘U.S. National Academy of Sciences’ bestätigt wurde.

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Ähnliches gilt für seine Arbeiten über den CANDU-Reaktor, dessen Plutonium als nicht-waffenfähig propagiert wurde. Er spielte außerdem eine Schlüsselrolle in einem Moratorium zu einem neuen Reaktor in Quebec und in verschiedenen Moratorien zu Urangewinnung in Labrador, Nova Scotia und British Columbia. Er brachte ein Atomprogramm der ‘Atomic Energy of Canada’ zum Halten und trug maßgeblich dazu bei, ein Endlager für Strahlenmüll an der Grenze zwischen Quebec und den USA zu verhindern.

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Seine Ratschläge machen immer wieder die Runde in der weltweiten Anti-Atom-Szene; etwa dieser: Schau den nuklearen Problemen ins Gesicht, fürchte dich nicht vor ihnen und schau nicht weg – nur wenn du ein Problem verstanden hast, kannst du anfangen, es zu lösen. Wehre dich gegen den Kult der Experten, entziehe der Atomtechnologie ihren Mythos, gib den Zahlen eine Bedeutung und bediene dich der Sprache der Vernunft.

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–Claus Biegert