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Nuclear-Free Future
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EDMUND LENGFELDER

GERMANY

Munich
14 Oktober 2014

Edmund Lengfelder

Der Arzt und Strahlenbiologe Edmund Lengfelder hat eine eigene Werkstatt. Bei einem Naturwissenschaftler würde man eher ein Labor vermuten, Lengfelder aber fertigt Präzisionsmechanik und Holzgerät. Heute, im Pensionsalter, fräst und bohrt er vorwiegend für den Hausgebrauch, doch damals, als es um seine Doktorarbeit in Medizin ging, arbeitete er oft noch nachts in den Werkstätten der Ludwig-Maximilians-Universität in München und tüftelte an einem schnellen Lichtdetektorsystem, das es noch nicht gab und auf das er als Messgerät für seine Arbeiten nicht verzichten konnte. Er schaffte es und promovierte 1971 „Zur Strahlenbiologie von Nukleotiden“. Schaut man heute auf seinen Werdegang, dann könnte man durchaus sagen, das Schicksal hat sich diesen Mann gesucht, um ihn nach dem Super-GAU von Tschernobyl vor Ort einzusetzen.

Nach seinem Medizinstudium forschte Lengfelder, geboren am 30. März 1943 in Weiden in der Oberpfalz, am Institute of Cancer Research and
Department of Physics in London über strahleninduzierte Radikalreaktionen. Es folgte ein Ergänzungsstudium in Physik und Elektronik. Für zwei Jahrzehnte arbeitete er hauptsächlich mit Elektronenbeschleunigern. 1979 habilitierte er sich für das Fachgebiet Strahlenbiologie; 1983 folgte der Ruf als Professor an das Strahlenbiologische Institut der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1991 gründete er das Otto-Hug-Strahleninstitut.

Als im April 1986 die Katastrophe von Tschernobyl geschah, ging Lengfelder sofort nach Weißrussland und in die Ukraine, um sich persönlich vor Ort ein Bild zu machen. 1987 publizierte er eine detaillierte Karte der Tschernobyl-Kontamination in Südbayern; 1991, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, gründete er in Gomel, der Hauptstadt der am meisten kontaminierten gleichnamigen Region in Weißrussland, ein medizinisches Zentrum, in dem er zusammen mit den örtlichen Ärzten bis heute weit über 100 000 an der Schilddrüse erkrankte Kinder und Erwachsene behandelte. Wenn technische Zusatzgeräte oder Ersatzteile fehlten (z. B. ein Frostschutz-Kontrollsystem für die Zentralheizung des Erweiterungsbaus am Schilddrüsenzentrum Gomel), dann baute er diese oft in seiner Münchner Werkstatt. 1992 gründete er den Deutschen Verband für Tschernobyl-Hilfe (DVTH), 2006 initiierte er den internationalen Kongress „20 Jahre Leben mit Tschernobyl – Erfahrungen und Lehren für die Zukunft“. Heute untersucht er nicht nur die gesundheitlichen Folgen der Tschernobyl-Katastrophe, sondern auch die Induktion von Krankheiten durch geringe Radioaktivität.

Lengfelder wurde für seine Verdienste um die Hilfe für Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl mit der Medaille  „München leuchtet – Den Freunden Münchens in Silber“ ausgezeichnet. Zwei Universitäten in Minsk gaben ihm den Ehrendoktor. Im Jahre 1998 erhielt er den Franzisk-Skorini-Orden, die höchste Auszeichnung von Weißrussland für Wissenschaft und Kultur, der Bund Naturschutz ehrte ihn 2011 mit dem den Bayerischen Naturschutzpreis.