The
Nuclear-Free Future
Award

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RESISTANCE

is presented to

Almoustapha Alhacen,

Niger

Basel, Switzerland
15 September 2017

Almoustapha Alhacen

Als junger Mann erfuhr Almoustapha Alhacen, der bis dahin salzbeladene Kamele durch die Wüste getrieben hatte, dass Nigers Erde noch anderes hergibt. Er ließ sich 1978 nahe Arlit, Nordwest-Niger, von dem franzö- sischen Atomkonzern AREVA als Arbeiter in einer UranMühle anstellen. Ein guter Job, so schien es. Über das Zeugs, das er zerkleinerte, wusste er fast nichts. Uran kam aus der Erde, wie das Salz, das er auf Kamelrücken tausende Kilometer durch die Wüste transportiert hatte. Gut so.

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Doch im Laufe der Jahre fielen Alhacen Dinge auf, die ihm nicht gefielen. Die schüttere Pflanzendecke wurde vollends weg gescheuert, die wilden Tiere verschwanden, Bäume starben ab. Es gab seltsame Erkrankungen bei Kollegen – und deren Frauen. Und es gab rätselhafte Todesfälle relativ junger Menschen.

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Im Jahr 2002 gründete Alhacen eine lokale NGO namens AGHIRIN`MAN (Niger) – in der Sprache der Tuareg „Schutz der Seele“ –, die sich der Aufklärung und Erforschung von Uran-Gefahren verschrieb. Mit Alhacens Aktivitäten wuchs die Besorgnis. Die Besorgnis der Betreiber. Von Entlassung des hartnäckigen Fragestellers war immer wieder die Rede.

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Im Jahr 2003 veranlasste Alhacen als Präsident von AGHIRIN`MAN, dass Wissenschaftler des unabhängigen französischen Labors CRIIRAD (Commission de Recherche et d’Information Indé- pendantes sur la Radioactivité) das Arlit-Gelände untersuchen. Was sie fanden, erfüllte mindestens den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung. Das Grund- und Trinkwasser waren kontaminiert; Straßen, die in Arlit mit radioaktiven Abraum befestigt waren, strahlten. Und zig Millionen Tonnen radioaktiven Abraums lagen offen und ungeschützt um die Mine. Jeder noch so kleine Windstoß trug radioaktiv belasteten Staub in die angrenzenden Siedlungen.

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Alhacen wurde zum Laut-, mehr noch aber zum Intensiv-Sprecher der Bedrohten. Und siehe da: Plötzlich war es möglich, Arbeitskleidung auf dem Gelände der Company reinigen zu lassen; die Frauen der Minenarbeiter waren zuvor durch den ständigen Körperkontakt mit kontaminierter Kleidung verstrahlt worden. Alhacen referierte in diversen TV-Sendungen und afrikanischen sowie europäischen Staaten.

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In Paris enthüllte er 2007 und 2009 die versteckten Kosten von Uranabbau in Niger; 2008 sprach er in Davos anlässlich der „Public Eye Award Ceremony“ über Menschenopfer im „Normal“betrieb. 2015 wurde er von SOMAIR, einer AREVA-Tochtergesellschaft, entlassen. Alhancen verlor seine Arbeit, sein Haus. Aber nicht den Kompass für seine Mission.