The
Nuclear-Free Future
Award

in the Category


SOLUTION

is presented to

URSULA SLADEK / MICHAEL SLADEK
and ELEKTRIZITÄSWERK SCHÖNAU

GERMANY

Los Alamos
26 September 1999

Ursula u. Michael Sladek / EWS

Nur die ganz Dummen und total Ahnungslosen hat Tschernobyl kaltgelassen. Aber wie nachhaltig hat der GAU von 1986 unsere Einstellung denn nun wirklich verändert? Vorläufiges Fazit: Die Verdrängungsleistung von Regierenden und Regierten kann man nur noch in Bruttoregistertonnen messen. Anders war das bei der Familie Sladek im idyllischen Schwarzwaldort Schönau (2357 Einwohner).

Der Arzt Michael Sladek und seine Ehefrau Ursula fanden, nach Tschernobyl sei es eine Frage des ärztlichen Ethos, sich gegen Atom-Energie zu engagieren. Privates Stromsparen erschien dem Ehepaar Sladek schon bald zu wenig, um die Marschrichtung aus der Atom-Energie zu markieren. Nach langjähriger, teils erbitterter Diskussion im Gemeinderat und nach zwei gewonnenen Bürgerentscheiden gegen die anfängliche lokalpolitische Blockade ging die Stromnetzkonzession nicht mehr an den lokalen Riesen, Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR), sondern an das eigens gegründete Elektrizitätswerk Schönau. Und das produziert nachhaltig und vielfältig, zum Beispiel mit Wasserkraft. Aber auch mit Solarenergie. Und das sogar seit 1999 auf dem Dach des Gotteshauses. Überschüsse gehen ins große Netz. Michael Sladek: “Wir haben mit einem geringen finanziellen Werbeaufwand schon weit über eine Millionen Kilowattstunden bundesweit verkauft. Wir führen diesen Erfolg auf unsere Glaubwürdigkeit und Effektivität zurück; denn wir sagen unseren Kunden auf den Pfennig genau, wie die eingenommenen Gelder verwendet werden.”

“Wir sagen unseren Kunden auf den Pfennig genau, wie die eingenommenen Gelder verwendet werden.”

Im Regelfall für die Steigerung und Verbesserung der Ökostromproduktion. Es könnte, so wünscht man es sich in Schönau und anderwo, schon bald zum guten Ton gehören, daß nicht nur “Biologisches” im Topf schmort, sondern die elektrische Herdplatte darunter ebenfalls umweltpolitischen Standards genügt. Die Sladeks haben ihren Kampf immer “ideologiefrei” geführt, ein wesentlicher Grund für die breite Zustimmung und den Rückhalt in der Bevölkerung. Und sie haben das Gesetz des Handelns nie aus der Hand gegeben. Schönaus Erfolg ist nicht allein die Leistung der “Kraftzelle Sladek” – aber er wäre ganz sicher nicht ohne deren Hingabe möglich gewesen.

Insgesamt 5.7 Millionen Mark, überwiegend Spendengelder, mußte Schönau aufbringen und vorbehaltlich zahlen, um so das örtliche Netz vom Stromgiganten zurückzukaufen.Vorbehaltlich weil sich Schönau den Klageweg gegen den – vermutlich aus marktpolitischen Gründen – überhöhten Netz-Kaufpreis offenhalten will. Wer heute als Feriengast, etwa nach einem Rundgang auf dem örtlichen Energie-Lehrpfad, im örtlichen Gasthaus die Leselampe einschaltet, kann sicher sein, dass ihm “reines” Licht beschert wird. Was die deutschen Strommonopolisten zwischen Flensburger Förde und Bodensee am meisten fürchten, Nachahmereffekte kündigen sich mittlerweile an. Schönau könnte schon bald Schule machen.

–Claus-Peter Lieckfeld