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Nuclear-Free Future
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EDUCATION

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SOUAD NAJI AL-AZZAWI

IRAQ

Munich
12 October 2003

Souad Al-Azzawi

Im Gewirr der Begriffe und Vertragsklauseln zwischen Atomphysik und Abrüstung konnte sich fast unbemerkt und ungestört ein neues uranhaltiges Waffensystem einnisten. Die Rede ist von DU – Depleted Uranium, abgereichertes Uran (U-238). Es handelt sich um ein Abfallprodukt aus der Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke – Atommüll, der in großen Mengen entsteht und entsorgt werden muss. Die Halbwertzeit von DU beträgt 4,5 Milliarden Jahre; etwa so alt ist auch unser Sonnensystem. Das extrem dichte und harte Material DU wird in Munition verwendet. DU-gehärtete Geschosse können Gebäude und Panzer besser durchdringen. Außerdem entzündet sich diese Munition beim Aufprall, so dass sich nach der Explosion radioaktiver und toxischer Staub über die Umgebung legt.

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Das amerikanische Militär setzte diese Uranwaffen in beiden Golfkriegen, in Ex-Jugoslawien und in Afghanistan ein. Die Nachkriegsschauplätze sind übersät von radioaktiv strahlenden Stellen – vor allem im südlichen Irak, wo der Staub durch Sandstürme weiter getragen wird und in die Atemwege ahnungsloser Menschen gerät. Auch Trinkwasservorkommen sind verseucht.

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” Den internationalen Medien ist Uranmunition nur selten eine Meldung wert.”

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“Den internationalen Medien ist diese Situation nur selten eine Meldung wert”, sagt Dr. Souad Naji Al-Azzawi. “Es ist dieser Mantel des Verschweigens, gegen den Wissenschaftler wie die irakische Geologin vor allem ankämpfen müssen, wenn sie bei ihren Untersuchungen auf skandalöse Befunde stoßen.”

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“Radioaktiv” ist Dr. Al-Azzawis Blickwinkel nicht erst jetzt: Anfang der 80er Jahre ging sie in die USA und studierte an der Colorado School of Mines Geologie und Umwelt-Technologie. Sie promovierte mit einer Doktorarbeit über die radioaktive Verseuchung des Grundwassers in Colorado durch Kernkraftwerke. 1991 – in Kuwait tobte gerade der Golfkrieg – kehrte sie nach Bagdad zurück. 1995/96 untersuchte Dr. Al-Azzawi, mittlerweile Leiterin des Department of Environmental Engineering der Universität Bagdad, die DU- Verseuchung von Boden, Wasser und Luft sowie Wildpflanzen und Agrarprodukten im südlichen Irak. Die am stärksten verstrahlten Regionen fand sie um die 1,6-Millionenstadt Basra. Ärzte bestätigten ihr, dass ihre Ergebnisse in bestimmten Regionen statistisch signifikante Korrelationen mit Krebsclustern zeigen.

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Souad Naji Al-Azzawis Sorge gilt nicht nur ihren Landsleuten, sondern auch den Tausenden US-Soldaten, die in einen Krieg geschickt wurden, aus dem sie ohne ihr Wissen radioaktiv verseucht zurückkehrten. Tausende verkrüppelt geborene Kinder in der Golfregion und quer durch die USA klagen an. Die Ehrung der irakischen Geologin ist gleichzeitig eine Anerkennung all ihrer Kollegen und Mitstreiter wie zum Beispiel Dr. Rosalie Bertell, Prof. Asaf Durakovic oder Prof. Dr. Siegwart-Horst Günther, die weltweit die Schäden durch Uranwaffen anprangern.

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–Claus Biegert