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Nuclear-Free Future
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OLE KOPREITAN

NORWAY

St. Petersburg
5 Oktober 2002

Ole Kopreitan

Die Norwegische Regierung hat Ole Kopreitan, 69, immer mal wieder die Gelegenheit gegeben, tief und gründlich über den Lauf der Welt nachzudenken. Er kennt verschiedene Gefängnisse im Land der Mitternachtssonne von innen; denn auch das liberale Norwegen, wollte sich in den frühen Siebzigern nicht die Option auf Atomstrom nehmen lassen. Schon gar nicht von einem Aktivisten, der in Worten und Aktionen unüberhörbar, unübersehbar eindringlich an die Öffentlichkeit appelierte.

Menschen wie Ole Kopreitan darf man nicht fragen, ob Haft, Schmähungen und dergleichen vielleicht ein zu hoher Preis waren; Menschen wie Ole Kopreitan halten die eigene Lebenszeit, persönliches Glück, Beschaulichkeit für vergleichsweise “kleine Münze”, wenn es um das “große Ganze” geht: darum, die Welt von der Strahlenpest zu befreien. Der Norweger hat unbekannte Helfer: “Auf die Trolle kann ich mich verlassen.”

Und – anders als viele andere Anti-Nuce-Aktivisten – kann Ole Kopreitan auf manifeste Erfolge zurückschauen. Dass sich Norwegens Parlament 1975 dazu bekannte, seinen künftigen Energie-Mix ohne Atomenergie anzurühren, ist dem heftigen Graswurzel-Widerstand im Lande zu danken und in besonderer Weise Ole Kopreitan.

Dem war natürlich nach dem Etappensieg im eigenen Land klar, dass der Kampf gegen militärische und kommerzielle Nutzung von Atomkraft nur weltweit gewonnen werden kann. Seit 1980 ist er Generalsekretär der Organisation “Nei til Atomvåpen” (No to Nuclear Arms).

Diese Organisation erwies sich als wirksames Forum im Kampf für Abrüstung. Im vergangenen Jahr sprach der ehemalige Chef-Unterhändler der USA in Abrüstungsfragen, Thomas Graham, im Nobel Institut vor norwegischen Politikern. Seite Botschaft: unilaterale Abrüstung wäre auf dem kürzesten Weg möglich. Wenn sie politisch gewollt wäre. Ein mindestens ebenso bekannter “Konvertit”, Robert McNamara, US-Verteidigungsminister zur Zeit des Vietnamkriegs, hält am 24.Oktober am gleichen Ort eine Rede über die Notwendigkeit unverzüglicher nuklearer Abrüstung.

“Auf die Trolle kann ich mich verlassen.”

Für Ole Kopreitan sind das hochwillkommene Anlässe, seiner Organisation internationle Publizität zu verschaffen; denn der Krieg gegen den finalen Krieg, kann nur als Kampf um die Herzen und Köpfe der Menschen geführt und gewonnen werden. Ole hat seit 1990 die jährlichen Konferenzen gegen Atom- und Wasserstoffbomben in Japan besucht. In seiner bemerekenswerten, viel beachteten Rede anläßlich des letzten Treffens heißt es:

“Während der letzten UN-Generalversammlung zum Thema nukleare Abrüstung, wurde die Resolution der New Agenda Coalition (NAC), die unverzügliche und grundlegende nukleare Abrüstung zum Gegenstand hat, mit großer Mehrheit angenommen. Der Druck der Weltgemeinschaft war so hartnäckig, daß alle NATO-Länder mit Ausnahme Frankreichs für die ‘No-to-Nuclear-Resolution votierten’… Natürlich versuchten die USA die Resolution zu stoppen, aber nachdem man sich auf ein paar Konzessionen geeinigt hatte stimmte auch die letzte verbliebene Supermacht zu.

Allerdings, geschah das noch zur Amtszeit von Bill Clinton. Heute ist alles viel schwieriger, wie leidvoll bekannt. Präsident George W. Bush ist offenbar Willens, die Welt zu provoziern und bestehende nukleare Abrüstungsvereinbarungen zu brechen. Der furchteinflößendste Aspekt der neuen US-Politik ist mit dem Kürzel NMD umschrieben: National Missile Defence Program – eine Art Wiederauflage von Reagans “Krieg der Sterne” …. In Norwegen gab es heftige Diskussionen über einen neuen Radarstützpunkt, Globus 2, im Norden des Landes, nahe der Grenze zu Russland. Der Verdacht liegt nahe, daß Globus 2 Teil von NMD sein wird.”

Ole Kopreitans Stimme wird man hören, wenn sich in Skandinavien der Kampf gegen die globalstrategischen Pläne der Bush-Adminstration zuspitzt. Die USA sind militärisch nicht zu besiegen – nicht mit und nicht ohne Atomsprengköpfe –, aber ihre atomare Hybris, die sich zur Weltbedrohung auswächst, könnte an den Menschen scheitern. Allen voran Menschen wie Ole Kopreitan.

–Claus-Peter Lieckfeld