The
Nuclear-Free Future
Award

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SPECIAL RECOGNITION

is presented to

MANUEL PINO

USA

Munich
24 Oktober 2008

Manuel Pino

Er ist ein Läufer zwischen Himmel und Erde. Manuel Pino kommt aus dem Acoma Pueblo, einem Lehmziegeldorf der Tewa westlich von Albuquerque im US-Staat New Mexico. Von der Plaza aus sieht man hinter den erdfarbenen Adobebauten nur Himmel – Acoma Pueblo sitzt auf einem steilen Tafelberg und wirkt, als habe ein Magnet die Siedlung samt Boden in die Wolken gezogen. In den Touristenführern und auf den Billboards längs der Highways präsentiert sich Acoma daher als “Sky City”.

Manuel Pino wurde 1950 geboren und wuchs “unten” auf. Als die Bevölkerung anwuchs, gab es auf dem Tafelberg keinen Platz mehr, und die Tewa mussten ihre Adobehäuser auf ebener Erde bauen; daher gibt es heute ein Acoma oben und eines unten. Schon als Kind wurde Manny zum Läufer und rannte manchmal mehrmals am Tag hoch zu den Himmelshäusern. Bald begann er durch die Wüste zu laufen. In seiner Kultur dient das Rennen nicht nur körperlicher Ertüchtigung, sondern ist Meditation, ist Kommunikation mit der unsichtbaren Welt.

Jeder Lauf hat eine spirituelle Seite. Gegen den Wind anzurennen ist eine intensive Begegnung mit den Naturkräften, ein Gebet. Und hier beginnt das Problem: In der Nachbarschaft von Sky City wurde Anfang der 50er Jahre die Erde aufgerissen und die Jackpile-Paguate Mine, Amerikas größte Tagebaumine zur Uranerzförderung samt Mühle zur Herstellung von Yellow Cake (Handelsuran) installiert.

“Meine Botschaft lautet: Das Uran muß in der Erde bleiben!”

Der Abraum häufte sich, und der Wind trug den Läufern den radioaktiven Staub der Halden entgegen. Keine Gefahr für die Bevölkerung, lautete der offizielle Bescheid. Manuel Pino, schon immer ein kritischer Geist mit unbeugsamem Charakter, glaubte der Propaganda von Anaconda Mining Corporation nicht und machte sichselbst kundig.

Der Widerstand gegen den Uranabbau prägte von nun an Pinos Leben. Zum Thema seiner Dissertation in Soziologie wählte er die zerstörerische Auswirkung der Urangewinnung auf die indianische Kultur. Viele Männer der Pueblos und der benachbarten Navajo waren Bergleute geworden und an Krebs gestorben. Auf dem World Uranium Hearing, 1992 in Salzburg, gab Manuel Pino den Opfern des Uran-Booms in seiner Heimat eine laute Stimme. Sein Name ist auf internationalen Konferenzen zu finden; immer reist er mit der gleichen Botschaft: der industriellen Welt vor Augen zu führen, dass jedes Festhalten an nuklearer Technologie eine Zustimmung zu Menschenopfern bedeutet. Manuel Pino, der heute als Professor am Scottsdale Community College in Arizona lehrt, bringt das Problem auch in den Hörsaal und sorgt dafür, dass der Widerstand gegen Atomstrom und Atomwaffen von der nächsten Generation aufgegriffen wird. Wie ein Läufer, der seine Botschaft an den nächsten übergibt. Seine Botschaft lautet: Das Uran muß in der Erde bleiben!

–Claus Biegert