The
Nuclear-Free Future
Award

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SPECIAL RECOGNITION

is presented to

JOCHEN STAY

GERMANY

BASEL
15 September 2017

Jochen Stay

Eine Menschenkette schlängelte sich Ende Juni 2017 über rund 90 Kilometer von Tihange über Lüttich, Maastrich bis Aachen. Es ging den lebendigen Kettengliedern ganz wesentlich darum, auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die von überalterten Atomkraftwerken in der Großregion Benelux/ Deutschland/Frankreich ausgehen. Einer derjenigen, die in Lüttich im Koordinationsbüro saßen, war Jochen Stay, 51, seit Anfang der Achtziger in der Anti-Atom-Szene aktiv.

Politisch sozialisiert in Mannheims Evangelischer Jugend („… damals habe ich mich gegen Atom so aus `nem Gefühl heraus engagiert, anfangs ohne genau zu wissen, was da eigentlich geschieht“), geriet Stay 1981 in die Auseinandersetzungen um den NATO-Doppelbeschluss, war dann insgesamt zwei Jahre, 1986 bis 88, in Mutlangen, dem Ort, an dem nukleare Mittelstreckenraketen stationiert waren.Etwa zur gleichen Zeit unterstützte er auch den Widerstand in Wackersdorf gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage – ein Kampf, der damals vielen aussichtslos erschien, und der doch gewonnen wurde.

A propos „gewinnen“: Braucht man dafür nicht doch Ermutigung – mindestens dann und wann? „Ja klar“, sagt Jochen Stay: „Mir hat es alleine schon Kraft gegeben, wenn sich viele Menschen am Protest und Widerstand beteiligt haben. Und wir hatten ja auch immer wieder Erfolge: Die Abrüstung der Atomraketen, das Aus für Wackersdorf, das Abschalten etlicher Atomkraftwerke und das Ende der Castor-Transporte nach Gorleben.“

Stay war einer der Mit-Initiatoren und Mit-Gestalter der Initiative „X-tausendmal quer“ – die massenhafte gewaltfreie Sitzblockaden gegen Castor-Transporte organisierte – und von „.ausgestrahlt“, einer bundesweiten Anti-Atom-Organisation, die AtomkraftgegnerInnen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen Protest zu machen.

Waren es über die Jahre – nicht ausschließlich aber immer wieder – die „strahlenden Transporte“, auf die Jochen Stays Aktivitäten gerichtet waren, „sind es aktuell vor allem die noch laufenden AKW in Deutschland“ – von denen (zu viele und sogar kritische) ZeitgenossInnen vermeinen, sie seien nur noch der harmlose Abgesang auf die überwundene deutsche Atomkraft-Episode.

Jochen Stay verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit Vorträgen, Artikeln und als Zeitschriften-Redakteur, arbeitete bei der Umweltorganisation „Robin Wood“ und der „Bewegungsstiftung“. Über das BewegungsarbeiterInnen-Programm der Stiftung finanzierte ihn lange Jahre ein Kreis von Freundinnen und Freunden, damit er Zeit und Möglichkeiten für seine umfängliche, diffizile Planungs- und Koordinationsarbeiten hatte. Seit 2011 arbeitet er für „.ausgestrahlt“.

„Den Marathon-Mann der Anti-Atom-Szene“, nannte ihn ein Weggefährte. „Einer von etlichen“, korrigiert, auf das Lob angesprochen, der Belobigte.