The
Nuclear-Free Future
Award

in the Category


SOLUTION

is presented to

HEIKE HOEDT and
WOLFGANG SCHEFFLER

GERMANY

Window Rock
1 December 2006

Heike Hoedt und Wolfgang Scheffler

Ein Lieblingsslogan der grünen Netzwerker, der Um-die-Welt-Besorgten, der vielen, die sich immer mal wieder als ‘Gutmenschen’ angezynelt finden, lautet: Besser eine Kerze anzünden als über die Dunkelheit jammern. Umso besser, wenn es gleich noch ein Solarlicht ist!

Einer, der für sich früh herausgefunden hat, dass tätige Empathie die beste Solidarität ist, wurde 1956 in Innsbruck geboren. Wolfgang Scheffler legte 1983 in Köln seine – mit der Note ‘sehr gut’ bewertete – Diplomarbeit über magneti­sche Supraleiter vor. Nach solchem Einstieg federt ein junger Physiker normalerweise die Karriereleiter empor, aufwärts in die besten Institute der Welt.

Doch Schefflers Vorstellung von Erfolg war nicht die übliche: “Physik sollte nicht nur irgendwie nützlich sein, sondern muß Menschen konkret helfen.” Der gedankliche Kick: In den Hungergürteln und Mangel­zonen der Erde gibt es meist von einem genug: Sonne. Was also tun?

Nach vielen wissenschaftlichen Stationen, insbesondere auch im Solarstaat California, entwickelte Scheffler sein Konzept der ‘flexiblen, formveränderbaren Parabolspiegel mit festem Brennpunkt’ – für die sich schon bald der handlichere Name Scheffler-Spiegel einbürgerte: eine im Prinzip einfache und trotzdem raffinierte Methode, hoch effizient mit Sonnenlicht zu kochen, zu braten, zu backen. Heute sind in 21 Ländern knapp 1000 Anlagen installiert.

Heike Hoedt, Schefflers Lebensgefährtin und engste Mitarbeiterin, sorgt u.a. für globalen Wissenstransfer: Ihre hervorragende Webseite – www.Solare-Bruecke.org – erklärt auch die besondere Technik der Spiegel. Ausserdem kümmert sie sich um Anlagen in Lateinamerika und Afghanistan (Scheffler selbst ist jetzt vor allem in Indien aktiv) und entwickelt eigenständige Projekte im Bereich Sonnenenergie.

“Physik sollte nicht nur irgendwie nützlich sein, sondern muß Menschen konkret helfen.”

Ein vorläufiger Höhepunkt des stetig weiterentwickelten Spiegels war 1996/99 der Bau der größten Solarküche der Welt in Indien, gemeinsam mit Brahma Kumaris: 84 Scheffler-Spiegel kochen für 18 000 Personen gleichzeitig.

Die Idee vom Koch- und Brennspiegel erwies sich als ungemein praktisch. Beispiele: Ein 50 Quadratmeter großer Reflektor betreibt ein Solarkrematorium. Solarbacköfen mit 8-Quadratmeter-Spiegel brauchen keine Steckdose, Heißwasseraufbereitung für Dörfer ohne Netzanschluss kommt ganz ohne störanfällige Apparatetechnik aus. Schefflers Stärke wurde die ‘geniale Vereinfachung’, in der oft mehr Gedanken – arbeit und Erfahrung steckt als in superkomplizierten Apparaturen.

Scheffler-Spiegel sind glitzernd helle Mosaiksteine im globalen Rettungsplan. Denn Abholzung und Vormarsch der Wüsten lassen sich nur verlangsamen (oder allerbestenfalls sogar stoppen), wenn den Ärmsten machbare Heiz- und Kochalternativen angeboten werden.

Die Aktivitäten von Wolfgang Scheffler und Heike Hoedt werden zu einem erheblichen Teil von dem von Theo Straub gegründeten und großzügig unterstützten gemeinnützigen Verein ‘Solare Brücke’ finanziert.

Scheffler hat sich nie mit nur-technischen Lösungen zufrieden gegeben; er begriff früh, sehr viel früher als diverse Pioniere, dass es auch um die Akzeptanz vor Ort geht. Deshalb bringt er indischen Bauernmädchen u.a. bei, wie man Gestelle für Schefflerspiegel zusammenschweißt. Und er hielt durch, als vor rund 25 Jahren das Interesse an ‘Grazwurzel-Solar-Kochtechnologie’ nach kurzer, heftiger Blüte wieder zu verdorren schien.

In Rajastans Barefoot College (NFFA-Preisträger von 2000) hat Scheffler vergleichsweise leichtes Spiel mit seinen Kursen ‘Solarküche’; hier, am Rand der nord­indischen Wüste Thar, ist man schon seit Jahrzehnten für alles aufgeschlossen, was sich mit der Sonne zum Wohle der Menschen anstellen lässt.

Schefflers Spiegel halten all denen einen Spiegel vor, die wider besseres Wissen behaupten, ohne harte Lösungen wie Kernkraft oder Energie aus fossilen Brennstoffen wäre insbesondere die sogenannte Dritte Welt definitiv am Ende. Schefflers Spiegel ist schon heute weit mehr als die Lösung eines Teilproblems. Die Hoffnung hat viele Blinkfeuer.

–Claus-Peter Lieckfeld