The
Nuclear-Free Future
Award

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SPECIAL RECOGNITION

is presented to

CREE YOUTH OF MISTISSINI

CANADA

Washington DC
28 Oktober 2015

Cree Jugend von Mistissini

Ein Jäger der Cree an der James Bay muss warten können, er muss die Zeichen der Natur zu lesen wissen, er muss dem Bär, dem Elch, dem Biber, den Gänsen ebenso mit Respekt begegnen wie den Heilpflanzen. Ihm ist bewußt, dass er das Land, auf dem er jagt, nicht besitzen kann; er ist Gast und als Gast der Hüter der Jagdgründe.

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Shawn Iserhoff, Justice Debassige, Desmond Michel, Kayleigh Spencer, Catherine Quinn sind Cree, alle ihre Vorfahren waren Jäger. Weder College noch die üblichen Einwirkungen der weißen Zivilisation konnten ihre Eigenschaften als Cree nicht auslöschen: die Geduld, die Liebe zum Land, den Respekt gegenüber den Tieren. Die Subarktis ist ein fragiles Ökosystem; die Hälfte des Jahres liegt Schnee. Die Cree nennen ihr Land im Norden der kanadischen Provinz Quebec „Eeyou Istchee“ – the peoples‘ land.

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In den siebziger Jahren wurden die Cree ihrer Subsistenzwirtschaft beraubt: Das James Bay Hydro Project überflutete weite Teile ihrer traditionellen Jagdgründe südlich der Hudson’s Bay. Die Jahre der Konfrontation, die der Überflutung für die Stromgewinnung voraus gingen, endeten mit dem „James Bay and Northern Quebec Agreement“. Heute arbeiten viele ehemalige Jäger, wie auch deren Kinder, an Schreibtischen mit Computern. In der indianischen Kultur haben sich viele neue Berufe etabliert. Die verbliebene Wildnis – die Cree sagen „the bush“ – trägt nicht mehr zum Überleben der Menschen bei wie einst, doch wird sie weiterhin bejagt, gehegt und geliebt.

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Shawn Iserhoff, Justice Debassige, Desmond Michel, Kayleigh Spencer und Catherine Quinn leben in Mistissini, einem der südlichen Dörfer der Cree. Wenn Gefahr sich nähert, dann wissen auch sie, die Heranwachsenden, was zu tun ist. Im Jagdcamp kann es nachts ein Vielfraß sein, der sich über die Vorräte hermacht, im komplexen Leben des industriellen 21. Jahrhunderts durchaus eine multinationale Bergbaufirma, die sich die Schätze im Boden aneignen will.

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2009 sahen die Jugendlichen bedrohliche Zeichen: Die kanadische Firma Strateco Inc. durchforstete die Gegend zwischen Chibougamou und Mistissini, hauptsächlich nahe der heiligen Berge von Otish, und begann mit Probebohrungen nach Uran. Das „James Bay and Northern Quebec Agreement“ gab ihnen dazu kein Recht. Mit welchen Lügen hatte sich die Firma eingeschlichen? Man kannte dieses Vorgehen: Da erzählten die sogenannten Experten den „ungebildeten“ Indianern, „radioaktive Strahlung sei wie die Hitze des Lagerfeuers“; und den „Gebildeteten“ im Häuptlingsrat winkten sie mit Arbeitsplätzen.

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Shawn, Justice, Desmond, Kayleigh und Catherine glichen bald einer Gruppe von Jägern, getrieben von der Aufgabe, Eeyou Istchee zu verteidigen. Als sie weder in ihrer Gesellschaft noch bei der Quebecer Regierung Gehör fanden, war ihre Geduld am Ende: 2012 marschierten sie, Jugendliche anderer Dörfer hatten sich angeschlossen, von Mistissini nach Quebec City und Montreal, fast 900 Kilometer; „Together Against Uranium“ stand auf ihrem Banner.

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Der Rest ist , wie man so sagt, Geschichte: Der Protest zwang die Cree-Regierung zu einem Referendum, und der Große Rat der Cree verbot schließlich den Abbau von Uran. Strateco schloss seine Explorations-Lager, zog ab und verklagte die Provinzregierung auf Schadenersatz. Der Funke des indianischen Widerstands vereinte sich mit der weißen Anti-Atombewegung und entfachte ein Feuer des Widerstands, das im April 2015 beim World Uranium Symposium in Quebec City bereits loderte. Ein ständiges Moratorium von Seiten der Regierung ist in den Bereich des Möglichen gerückt. Die Funken springen weiter. Der Ruf nach einer globalen Ächtung von Uranabbau wird nicht mehr verstummen.