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Nuclear-Free Future
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CORBIN HARNEY

USA

Munich
12 October 2003

Corbin Harney

Corbin Harney, heute, 83jährig und als Medizinmann der Western Shoshone einer der großen indianischen Lehrer und Führer, war noch ein kleiner Junge, als er etwas erkannte, vielleicht auch nur ahnte: Deine Wurzeln sind wichtig! Wenn sie verdorren, welkt alle Kraft dahin. Als Waise ging er auf die Flucht, ließ die Missionsschule zurück, in der seine indianische Muttersprache bei Strafe verboten war, und zog mit zwei Packpferde in die Berge von Idaho. Und hier lernte er den zweiten Teil der großen Lektion: Die Liebe zum Land kommt als große Kraft zu dir zurück.

Diese Kraft wurde zu einer Quelle, zu einem magnetischen Pol, an dem sich viele Aktivisten, von der Wüste Nevadas bis zu den Steppen Kasachstans, ausgerichtet haben: Wo Corbin Harney seine Stimme erhebt, sei es singend, betend oder erklärend, sei es gegen Atomwaffenprogramme oder gegen das Unterspülen indianischer Rechte, da breitet sich eine konzentrierte, aufnahmebereite Stille aus.

1994 gründete Corbin Harney das Shundahai Network (Shundahai heisst soviel wie: Friede und Harmonie mit der Schöpfung), eine Organisation, die sich bemüht, die Stimme der Urbevölkerung laut hörbar zu machen, wenn wieder einmal Anschläge auf Indianerland oder -rechte drohen. Und sie drohen in Permanenz, seit die US-Regierung in den 1940er das Land der Western Shoshone illegal und unter Annullierung bestehender Verträge zum “Nevada Test Site” erklärt hat: zur “National Sacrifice Area” (Land, das im nationalen Interesse geopfert wird).

“Ein Wasser, eine Luft, eine Mutter Erde.”

Hier detonierten mehr als 1000 Atombomben über und unter der Erde, radioaktive Wolken legten sich als Todesschatten über Land, das den Newe – so ihr Name in eigener Sprache – auf ewig zugesprochen war. Auf ewig herrscht hier jetzt Verwüstung und Verseuchung. Dessen nicht genug: Jetzt sollen in den Yucca Bergen, innerhalb des Nevada Test Geländes, auch noch 75 000 Tonnen Strahlenmüll endgelagert werden, herangeschafft aus 39 Staaten; sie sollen in einem gigantischen Loch verschwinden, von dem die Experten sagen, es sei “seismisch instabil” und von Grundwasserströmen durchzogen.

“Naraborochi” ist Corbin Harneys ureigene Sache: Wasser. Seine Regenlieder beschwören den respektvollen Umgang mit dem Lebenselement Nummer eins: “Ich bitte das Wasser, weiterhin zu fließen und alles Leben zu benetzen!” heisst es in einem seiner Songs, und weiter: “Ein Wasser, eine Luft, eine Mutter Erde”. Corbins Gesang ist leise; lauter sind derzeit propagandistische Kriegsgesänge: Die Bush-Adminstration forciert in bis dato nicht gekannter Schamlosigkeit die Renaissance der Atomwaffen. “Smarte Atombomben” – Waffen für allfällige kleine Kriege, sind in der Diskussion und vermutlich schon in Vorbereitung.

Corbin und sein Shundahai Network konzentrieren ihren Widerstand auf drei Zentralpunkte:

  • Die Stimme indigener Gemeinschaften müssen in alle nuklearen Angelegenheiten unüberhörbar werden.
  • Langfristig: Totale atomare Abrüstung und Schließung des Nevada Testgeländes.
  • Das “Great Basin” muss eine nuklear-freie Zone werden.

Der große alte Mann des anti-nuklearen Widerstandes wird dort stehen, wo man ihn seit Jahrzehnten findet; im Zentrum des Widerstandes.

–Claus-Peter Lieckfeld