The
Nuclear-Free Future
Award

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BRUNO BARRILLOT

FRANCE

New York City
29 September 2010

Bruno Barrillot

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Auf die Nachricht, dass er zu den Preisträgern des Nuclear Free Future Award zählt, reagiert Bruno Barrillot wie zu erwarten war: voller Bescheidenheit, als habe er keinerlei persönlichen Verdienst. Als sei sein jahrzehntelanger Einsatz einfach nur selbstverständlich. Siebzig ist der Franzose im Frühjahr geworden, ein kleiner schmaler Mann mit weissen Haaren, der Blick ist wach, der Geist rebellisch. Vielen seiner Landsleute ist Barrillot unbekannt, er zieht lieber die Strippen im Hintergrund und wenn er doch ins Rampenlicht gezwungen wird, geht es ihm sichtlich nur um die Sache. Doch ohne seine beharrliche Aufklärungs- und Lobbyarbeit hätte die Regierung in Paris wohl kaum zu Jahresbeginn 2010 ein Gesetz zur Entschädigung der Atomtestopfer verabschiedet.

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50 Jahre nach dem ersten Nuklear-waffenversuch der damaligen “Grande Nation” ist dies auch ein öffentliches Eingeständnis: die Tests waren nicht so sauber, wie die Verantwortlichen bislang immer behaupteten. Für Barrillot geht ein langgehegter Traum in Erfüllung. Entstanden ist der, als die Rainbow-Warrior-Affäre seinem Leben einen neuen Kurs beschert. Unterwegs zu Demonstrationen gegen französische Atomtests in der Südsee, wird das Greenpeace-Flaggschiff im Juli 1985 im neuseeländischen Hafen Auckland vom französischen Geheimdienst in die Luft gesprengt, ein holländischer Fotograf an Bord kommt ums Leben. Auf der Strecke bleibt dabei auch Bruno Barrillots Glaube an den Staat, aus seiner Wut erwächst politisches Engagement.

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“Um die Gesellschaft für eine Alternative zum Atom zu öffnen, muss sie über konkrete Informationen verfügen.”

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1989 gründet er in Lyon mit zwei Gleichgesinnten, Jean-Luc Thierry, Atomexperte bei Greenpeace Frankreich, sowie Patrice Bouveret, das “Dokumentations- und Forschungszentrum zum Frieden und zu Konflikten”, CDRPC, das er bis 2005 leitet. Im Visier hat die Institution, die sich bald einen Ruf als unabhängige Experteneinrichtung zum Thema militärische Waffen, insbesondere Atomwaffen, macht, die staatliche Geheimhaltungspolitik beim Thema Atom: “Um die Gesellschaft für eine Alternative zum Atom zu öffnen, muss sie über konkrete Informationen verfügen und überzeugt sein von den Risiken, denen sie ausgesetzt wird: sei es im Bereich Gesundheit oder Umwelt”, sagt Barrillot.

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Ende Vierzig ist er da und hat schon ein bewegtes Leben hinter sich: als junger Geistlicher bei der christlichen Landjugendbewegung steht er fünfzehn Jahre lang Kriegsdienstverweigerern zur Seite. Sein militanter Einsatz für ihre Rechte bringt ihm mehrere Gerichtsverfahren ein. Doch die Stellungnahme des französischen Episkopats 1985, die nukleare “Abschreckungspolitik” sei “akzeptabel”, treibt Barrillot aus der Kirche. Er beginnt ein neues Leben, als Journalist in Lyon, bei der linken Tageszeitung Libération. Die weltweiten Proteste gegen die Wiederaufnahme der französischen Atomtests in Polynesien, Mitte der 1990er Jahre, lenken schließlich seine Aufmerksamkeit auf die Lage der dortigen Bevölkerung. Bei mehreren Reisen in das Südsee-Inselreich sammelt er Informationen, veröffentlicht mit dem CDRPR Zeugenberichte von denen, die bei den Nuklearversuchen dabei waren, und hebt zwei Vereine der Atomtestopfer, in Lyon und in Papeete, mit aus der Taufe.

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Seit 2005 arbeitet Bruno Barrillot in Polynesien als Experte im Auftrag der damaligen Regionalregierung das “Erbe” der französischen Atomtests auf. Während er gleichzeitig mit einem internationalen Netzwerk Lobbyarbeit für ein neues Ziel betreibt: die Schaffung internationaler Standards für den Umgang mit den Folgen der Nuklearwaffenversuche weltweit. Dem “kleinen Priester”, so sein Spitzname, liegt der Gedanke an eine wohlverdiente Rente völlig fern.

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– Suzanne Krause