The
Nuclear-Free Future
Award

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RESISTANCE

is presented to

ARIF ALI CANGI

TURKEY

Johannesburg
17 November 2016

Arif Ali Cangi

„Anwalt für Leben und Gerechtigkeit“ ist kein eingetragener Beruf. Und doch wäre es die treffende Berufsbezeichnung für Arif Ali Cangi, der am 13. März 1964 in der türkischen Provinz Mersin geboren wurde. Ab 1995, schon am Anfang seiner juristischen Laufbahn, war er als Vorstandsmitglied einer Anwaltsvereinigung (Cagdas Hukucular Dernegi) mit Menschenrechts-Angelegenheiten, Schutz gegen Folter, sowie Rechten von Frauen, Kindern und Gefangenen befasst.

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Seit zwanzig Jahren gehören neben diesem Aufgabenkreis – der Einsatz für Opfer des Militärputsches von 1980 markiert dabei ein kräftiges Segment – auch Widerstand gegen Gesundheitsgefährdung und Umweltzerstörung zu Arif Ali Cangis Obliegenheiten. Er unterstützte die Allianoi-Initiative in ihrem Kampf gegen die Flutung der gleichnamigen antiken Stadt. Er stützte mit juristischem Fachwissen die Bauern und Siedler von Bergama in ihrem Widerstand gegen die Umweltverheerungen ihrer Region durch Goldbergbau. Für die Bürger von Dikili/Izmir focht er für freien Zugang zur öffentlichen Wasserversorgung.

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Und dass er es war, der 2012 – nach einer Zeitungsmeldung – im Zusammenhang mit illegaler Atommülllagerung bei Gaziemir/Izmir die potenziellen Opfer gegen die verantwortliche Firma und öffentliche Einrichtungen vertrat, liegt fast schon in der Logik seines Lebenslaufes. Obwohl die Türkische Agentur für NuklearEnergie (TAEK) die Existenz von atomarem Abfall auf dem Gelände einer ehemaligen Bleifabrik schon 2007 entdeckt hatte, unternahm sie nichts, um die Anlieger zu schützen. Arif Ali Cangi stellte, gemeinsam mit der Umweltschutz-Organisation EGECEP, Aufmerksamkeit und öffentliches Bewusstsein her und leitete rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen ein. Schließlich sahen sich die Verantwortlichen bemüßigt, den Atommüll zu beseitigen, taten es aber auf derart unprofessionelle, schlampige Art und Weise, dass Arif Ali Cangi die juristische Kampf-Arena ausweiten musste: Er legte Beschwerde bei der IAEA (Internationale Atomenergie Agentur) in Wien ein. Seit Kurzem ist Arif Ali Cangi Mitglied des Umweltausschusses des Zentralverband der türkischen Rechtsanwaltskammer – und juristischer Beistand in drei Klagen gegen den Bau des Akkuyu AKW. Der Bericht der staatlichen Umweltverträglichkeitsprüfung, der keine Einwände gegen den Bau fand, wird inzwischen im zentralen Verwaltungsgericht angefochten: wegen gravierender Fehler und Mängel. Die Mandanten prozessieren mithilfe eines Mannes, der in diesem Fall nicht nur Rechtsbeistand ist, sondern – Cangis Familie lebt noch immer in Mersin an der südöstlichen Mittelmeerküste – auch direkt Betroffener.

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Und dann sind noch die Dörfer Kesir bei Körprübasi/ Manisa und Kisir bei Söke/Aydin zu nennen, in deren Regionen in den Siebzigern und Achtzigern der staatliche Abbau von Uran begann; in Kesir kam noch eine Mühle hinzu, die aus dem Erz „Yellowcake“ produzierte. Man ließ die Orte kontaminiert und ungesichert zurück; die lokale Bevölkerung wusste von nichts.

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Arif Ali Cangi ist das, was man als Jurist – nach verbreiteter Meinung – eigentlich nicht sein kann: Er ist Generalist. Zuständig fürs Ganze. Der Mann aus Mersin ist Menschenrechtsanwalt, Kämpfer für Frauenrechte, einer der profiliertesten Umwelt-Anwälte des Landes. Und politischer Bewusstseinsbilder, Aktivist, gewaltloser Vorkämpfer für Gerechtigkeit. Der Nuclear-Free Future Award kann den Kämpfer gegen Atomgefahren nicht ehren, ohne den Kämpfer gegen Unrecht und Willkür mit zu ehren. Und das ist gut so.