The
Nuclear-Free Future
Award

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SPECIAL RECOGNITION

is presented to

ALFRED MANYANYATA SEPEPE

SOUTH AFRICA

Johannesburg
17 November 2016

Alfred Manyanyata Sepepe

Alfred Sepepe, Jahrgang 1952, dem seine berufliche Tätigkeit in Südafrikas vormaliger Pelindaba-Atombombenfabrik eine Hodenkrebs-Erkrankung eintrug, wurde in den letzten Jahren zum Hoffnungsträger all jener, die durch Südafrikas Atomindustrie gesundheitliche Schäden erlitten haben und um Entschädigung kämpfen. Auf welchem Feld, vor welchem Hintergrund kämpft Alfred Sepepe?

Etliche Arbeiter, die im Koeberg-AKW bei Kapstadt, in der ehemaligen Bombenfabrik Pelindaba oder der Atommüll-Deponie von Vaalputs arbeiteten, wurden, als bei ihnen Krankheitsanzeichen offenbar wurden, mit ihrem letzten Monatslohn entlassen. Davon drang kaum etwas in die Öffentlichkeit. Es brauchte einen Einzelfall: Im Jahr 2000 alarmiert der Unfalltod eines jungen Akademikers in Pelindaba die Öffentlichkeit – eine Öffentlichkeit, die es in Sachen Atomgefahren vorher fast nicht gegeben hatte. Unter dem Stichwort „Pelindaba“ schien es plötzlich möglich ein Totschweige-Kartell zu brechen: Rund 500 Ex-Pelindaba-Arbeiter machten sich auf, Entschädigung wegen „berufsbedingter Schädigung am Arbeitsplatz“ einzufordern. Die damalige Energie-Ministerin ließ sich mit dem Versprechen vernehmen: „Wir werden jeden Stein umdrehen“ um die Todesumstände des jungen Akademikers zu ermitteln. Darüber hinaus versprach er den Einsatz erheblicher Geldmittel, um Todesfälle im Umfeld der Atomindustrie zu untersuchen. Weder das eine noch das andere geschah.

Alfred Sepepe wurde mit der NGO „Earthlife Africa Johannesburg“ aktiv und brachte in seinen Township Atteridgeville viele der 500 Ex-Pelindaba-Arbeiter mit verdächtigen Symptomen dazu, sich bei dem in Pretoria ansässigen medizinischen Experten Dr. Murray Coombs untersuchen zu lassen. Der fand in 75% der Gewebeproben verdächtige Hinweise und überstellte elf Fälle der Entschädigungs-Kommission – mit dem Hinweis, weitere medizinische Untersuchungen seien dringend geboten.

Es gab weder Untersuchungen noch Entschädigungszahlungen. Inzwischen sind viele der von Murray Untersuchten verstorben. Unten ihnen auch jene, die auf Alfred Sepepe Initiative hin und unter seiner Führung 2007 eine Eingabe an das nationale Parlament gemacht hatten. Südafrikas Nuklear Ener gie Gesellschaft (NECSA) konterte mit einer „Alles-halb-sowild“-Studie und verhinderte einen Musterprozess vor Pretorias Oberstem Gerichtshof, indem sie Geheimhaltungspflicht geltend machte. Die nationale Atom-Aufsichtsbehörde (NNR) wurde – obwohl vom Parlament dazu aufgefordert – in der Sache nicht aktiv. Also geschah nichts? Doch! Der Arzt Dr. Murry Coombs, der Strahlenschädigung festgestellt hatte, geriet massiv unter Druck.

epepe musste erkennen, dass die Opfer allein gelassen werden. Weder Regierung, noch andere Politiker, weder Gewerkschaften noch lokal ansässige Anwälte fanden sich bereit aufzuklären, geschweige denn zu helfen. Und so wurde Sepepe zum Vollzeit-Ein-Mann-Widerstand und gleichzeitig zum Hoffnungsträger für die Hinterbliebenen derer, die an Strahlenschäden oder Hoffnungslosigkeit verstarben. Sepepe formulierte Anträge, alarmierte immer wieder die Öffentlichkeit … und er widerstand den Bestechungsversuchen der NECSA. Deren Akteure hatten offenbar erkannt, dass ihr Gegner seine kleine Pension im Kampf gegen sie aufgebraucht hatte. Es folgten – von wem auch immer – anonyme Morddrohungen.

Sepepe hat nicht aufgehört, den Anspruch der auf den Tod Verletzten aufrecht zu erhalten, hat juristisch, publizistisch, moralisch nie die Segel gestrichen. Ihn zu ehren gelingt uns nur mit tiefer, mit herzenstiefer Verbeugung und dem Versprechen: Es mag so aussehen, Alfred … aber Du bist nicht allein!