The
Nuclear-Free Future
Award

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LEBENSWERK

wird überreicht an

PETER WEISH

Österreich

SALZBURG
24 Oktober 2018

Peter Weish

Über Peter Weish in aller Kürze zu schreiben ist nicht leicht. Dass Österreich „das erste und weltweit einzige Denkmal für gescheiterte Technologie im Maßstab 1:1“ (Mitstreiter Bernd Lötsch) sein Eigen nennen darf – gemeint ist das 1978 unmittelbar vor Inbetriebnahme stillgelegte AKW Zwentendorf – ist zu einem Gutteil auch das Verdienst von Peter Weish.

Die Ende der Siebziger allein regierenden österreichischen Sozialdemokraten (SPÖ) – ziemlich geschlossen pro-Atomenergie ausgerichtet – legten, als der Anti-Nuke-Protest zwischen Bodensee und Neusiedler See wuchs, dem Parlament einen umfangreichen Bericht über Kernenergie vor. Und sie exemplifizierte die Existenz der Schwarzen Löcher. Davon nämlich war das Papier voll, das Politiker und Bevölkerung zu Kernkraft-Befürwortern machen sollte: Risiken und ungeklärte Fragen waren verschluckt.

Peter Weish war damals derjenige, der in Hearings und Podiumsdiskussionen in großer analytischer Schärfe darlegte, dass diese sogenannte Sicherheits-Expertise – die nicht einmal eine radioökologische Studie enthielt – alles andere als künftige Sicherheit verhieß. Dabei hob Weish nicht nur auf das Katastrophische ab, er fragte unbeirrt und unabweisbar nach der Qualität des „Normalbetriebes“: Darf man, wenn ein Schwellenwert für Schädigung fehlt, Grenzwerte der Strahlenbelastung festsetzen ? Sind Schaden/Nutzen – Abwägungen akzeptabel, wenn der „Nutzen“ heute, die Schäden aber in weiterer Zukunft zu erwarten sind ? Wie sicher ist „sicher“ ? Und was hießt in diesem Zusammenhang: „Restrisiko“?

Es heißt, die Atom-Lobbyisten hätten es in den späten Siebzigern vorgezogen, sich möglichst unauffällig zu verdrücken, wenn der Mann mit dem ungemein souveränen Lächeln angesagt war für Diskussionsveranstaltungen im Vorfeld der geplanten Nuklearisierung der Republik. Weish, der von 1966 bis 1970 Mitarbeiter am Institut für Strahlenschutz im Reaktorzentrum Seibersdorf war, kennt nicht nur die Bastelanleitungen der Atomtechnologen, er hatte auch deren Denke erfahren. Nicht zuletzt diese Kenntnis machte ihn ziemlich unüberwindlich und damit Zwentendorf – in der Konsequenz und mit Hilfe der österreichischen Zivilgesellschaft – zu einem Fanal.

Für Weish war, blieb und bleibt die Atomfrage eminent wichtig, aber keineswegs die einzige von Belang. Ab 1974 forschte und lehrte er am Institut für Umweltwissenschaften und Naturschutz. Gemeinsam
mit Österreichs brillantem Ökologen Bernd Lötsch erarbeitete er Studien zur Stadtökologie, zu Natur- und Artenschutz – und immer wieder zur Energiepolitik und zu den Risiken atomarer Konzepte. Im Jahr 1984 habilitierte Peter Weish an der Uni Wien mit der Arbeit „Beitrag der Humanökologie zur Technikbewertung am Beispiel der Kernenergie“. Der Träger des Konrad Lorenz Staatspreises und des Goldenen Verdienstabzeichens des Landes Wien war und ist deshalb so standfest, weil er auf zwei Beinen sicher steht: mit einem im Bereich Ethik und Philosophie mit dem anderen im Bereich Naturwissenschaft.

Österreichs Grand Old Man des Anti-Atom-Widerstandes wird geneigt sein, das Lob an die vielen Unentwegten weiterzureichen, die dafür gestritten haben, dass die Alpenrepublik zum Solitärgipfel der Atomfreiheit wurde.

Felix Austria! Glückliches Österreich!