The
Nuclear-Free Future
Award

in der Kategorie


LÖSUNGEN

wird überreicht an

LINDA WALKER

England

SALZBURG
24 Oktober 2018

Linda Walker

Wenn atomare Kernschmelze die Welt verstrahlt, lässt sich das nicht rückgängig machen. Die Kontaminierung, die 1986 vom ukrainischen Chernobyl ausging, traf das benachbarte Weißrussland am härtesten. Menschen wurden an Leib und Leben verletzt, nicht nur die damals akut Betroffenen, auch jene, die in den Folgejahren auf verstrahlter Erde leben mussten. Sie sind die Gezeichneten. Hämatologen beschreiben Veränderungen im Blutbild, wie sie sonst nur bei älteren Patienten auftreten; Herz- und Lungenkrankheiten sind verbreitet. Osteoporose fand sich schon bei Kleinkindern; in den Waisenhäusern quälen sich Teenager auf verkrümmten Knochen durch den Tag – junge Menschen, deren Wachstum schon im frühen Kindesalter abbrach. Brustkrebs bei sehr jungen Frauen ist ein zentrales Problem. Auf lange Sicht kann die Antwort nur heißen: Weg mit allen NuklearAnlagen! Und: Weiter dafür kämpfen, dass kein tödliches Gift mehr Unheil anrichten kann. Aber wir brauchen auch kurzfristig und aktuell Hilfe für die Leidenden.

Und hier kommt Linda Walker ins Spiel.

Sie startete ihr Hilfswerk Chernobyl Chilrden`s Projekt UK im Jahr 1995 – angeregt durch Chernobyl Children International, das schon 1991 in Irland von Adi Roche ins Leben gerufen wurde.

Anfangs kamen nur gesunde Kinder in den Genuss der Landverschickung. Dann aber bemerkten Linda und ihr Team, wie positiv sich der Aufenthalt auf zwei Kinder auswirkte, die schwere Krebstherapien hinter sich hatten. Das Programm wurde daraufhin auf erkrankte Kinder ausgeweitet; heute holt CCP(UK) verstärkt* junge Krebs-Reha-Patienten ins Land. Und weil sich auch das Gute noch verbessern lässt, fanden Linda und Freunde Möglichkeiten, auch sehr jungen Kranken, die noch nicht allein reisen können, zu helfen. Sie kamen in Begleitung ihrer Mütter, die, gezeichnet vom Überlebenskampf ihrer Kinder, ebenfalls Betreuung und Stärkung brauchten. Die Mütter selbst fanden den Namen für diese Aktion: Das “Ein-Traum-wird-wahr-Programm”.

Erholungsferien konnten schließlich auch Teenagern angeboten werden, die bei anderen Hilfsorganisationen durchs Raster fielen. In den letzten zwanzig Jahren haben 18 rekonvaleszente Krebspatienten im Teenager-Alter im Vereinigten Königreich Genesungsurlaub gemacht.

Noch bevor die erste Kindergruppe zu ihren Erholungsferien in England aufbrach, wurde Geld gesammelt, um eine spezielle Ambulanz in Weißrussland aufzubauen. Ende 1995 schickte CCP(UK) einen großen Sattelschlepper, beladen mit Hilfsgütern, nach Weißrussland. Seither hat CCP(UK) unter Lindas Leitung Hospiz-Aufenthalte von Kindern unterstützt, Belegschaften von Waisenhäusern trainiert und fortlaufend Ambulanzen und Rehabilitationszentren versorgt. CCP(UK) hat ein Trainingsprogramm eingerichtet, das Menschen ertüchtigt, Waisenkinder in Familien unterzubringen. Außerdem wurden auf breiter Basis Lernaufenthalte im Vereinigten Königreich – unterstützt vom Department for International Development und von UNICEF – geplant und verwirklicht. Aber Linda sah sich auch in Weißrussland um. Sie ermutigte Spezialisten im Land, den Bedürftigen im Rahmen der UK-Programme zu helfen. Medizinstudenten kamen, Physiotherapeuten, Lehrer und junge Leute, die vorberuflich Sozialarbeit verrichten. Sie alle gaben Arbeitszeit und Geld.

Noch immer werden Babys geboren, die unter Missbildungen und Krankheiten leiden – weil sie zu hoher Strahlenbelastung ausgesetzt waren und ihre DNA geschädigt wurde. Zum Glück gibt es Linda Walker. Hoffnung hat einen Namen.