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Nuclear-Free Future
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WIDERSTAND

is presented to

JEFFREY LEE

AUSTRALIEN

SALZBURG
24 Oktober 2018

Jeffrey Lee

Wer sich mit wenig Geld durchs Leben schlagen muss, der wird zumeist nicht lange zögern, wenn ihm das Angebot gemacht wird, auf einen Schlag zu einem der reichsten Männer seines Landes zu werden. Nicht jedoch Jeffrey Lee. Der 1971 geborene Aborigine ist das einzige überlebende Mitglied der Djok und nach den Regeln seines Stammes damit der traditionelle Besitzer und oberste Verwalter eines 12,5 Quadratkilometer großen Fleckchens Erde. Seine Vorfahren, die dort seit rund 40.000 Jahren leben, haben diesem Land den Namen Koongarra gegeben.

„Das hügelige Land ist voller klarer Quellen, heiliger Kultstätten und Friedhöfe meiner Urahnen“, sagt Jeffrey Lee. „Meine Aufgabe ist es, dieses Land zu beschützen. Es ist Teil unserer Geschichte – und die möchte ich nicht aufs Spiel setzen.“ Beschützen musste er Koongarra vor allem vor AREVA. Der französische Atomkonzern hatte schon vor Jahrzehnten ein Auge auf das Gebiet geworfen.

Denn unter den heiligen Kultstätten der Aborigine lagern 14.000 Tonnen Uran, eines der rentabelsten Uranvorkommen Australiens mit einem Gehalt an Uranerz zwischen 0,3 und 0,8 Prozent. Sein Wert wurde 2010 auf fünf Milliarden australische Dollar geschätzt, umgerechnet über 3,5 Milliarden Euro. AREVA hatte sich dafür die Abbaurechte gesichert, quasi die Lizenz zum Gelddrucken. Als der Kakadu-Nationalpark 1981 gegründet wurde, haben die am Urangeschäft interessierten Kreise bereits dafür gesorgt, dass das Koongarra-Gebiet ausgegliedert und damit nicht unter Natur- und Kulturschutz gestellt wurde. Mit großem Druck und scheinbar unwiderstehlichen Angeboten hat AREVA in den Jahrzehnten danach nahezu alles versucht, Jeffrey Lee – und davor bereits seinen Großvater und Vater – dazu zu bewegen, dem Uranabbau grünes Licht zu geben.

Der Konzern hat die Rechnung jedoch ohne Jeffrey Lee gemacht. „Hier hast du ein neues Auto, hier ein neues Haus. Kauf dir was du willst, dann wirst du glücklich – all diese Angebote bedeuten mir gar nichts“, betonte Jeffrey Lee immer wieder. „Mein Land gibt mir alles, was ich brauche: Ich gehe dort fischen, jagen und esse, was ich im Busch finde. Ich bin eins mit meinem Land. Und deshalb möchte ich auch nicht, dass es zerstört wird.“

Zudem hatte der oberste Verwalter von Koongarra begriffen, was Uranbergbau bedeutet: Gift für Mensch und Natur. Denn bei der benachbarten und seit 1981 betriebenen Ranger-Uranmine im Kakadu-Nationalpark hatte es bereits über 150 kleinere und größere Umweltkatastrophen gegeben. Allein zwischen 2009 und 2011 sind nach Berichten lokaler Medien Millionen Liter radioaktiv verseuchtes Wasser in die Umgebung gelangt. Deshalb hat der letzte Nachfahre des Djok-Clans alle Angebote abgelehnt und Koongarra dem australischen Staat angeboten. Der wiederum hat das Angebot angenommen, Koongarra in den Kakadu-Nationalpark integriert und als Teil des Weltkulturerbes damit dauerhaft unter Schutz gestellt. Uranbergbau ist damit langfristig ausgeschlossen. Einziger Vorteil den der Verteidiger seines Landes davon hat: Er ist seither als Ranger im Kakadu-Nationalpark angestellt.

„Jeffrey Lee hat den Schutz seines Landes und seiner Kultur dem persönlichen Profit vorgezogen“, würdigte Dave Sweeney, nationaler Anti-Atom-Campaigner von der Australian Conservation Foundation, dessen Standfestigkeit. „Seine Entscheidung bedeutet, dass dieser großartige Ort für alle Menschen und alle Zeiten geschützt sein wird.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.