Bemerkenswert

Uran gehört in die Erde

Bei einem UNO-Gipfel in Genf berichteten 1977 erstmals indigene Delegationen aus beiden Amerikas über Landraub, Vertreibung und Völkermord. Dort gab die Aktivistin Winona LaDuke vom Volk der Anishinabe dem damals dreißigjährigen Journalisten – und heutigen Oya-Autor – Claus Biegert Folgendes mit auf den Weg: »Wenn du weiterhin über uns schreiben willst, dann solltest du auf das Uran schauen. Das ist unser Tod.«

In diesem Geist initiierte Biegert 1992 das »World Uranium Hearing«. Zeugen des Atomzeitalters von allen Kontinenten berichteten bei der Weltkonferenz von der Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen durch Uranabbau, Atomwaffentests und radioaktiven Müll. Daraus ging der »Nuclear-Free Future Award« (NFFA) hervor, der seit 1998 jährlich an wechselnden Orten Menschen und Initiativen würdigt, die sich für eine Zukunft ohne Atomwaffen, Atomenergie und Uranmunition einsetzen.

An dieser Stelle gratuliere ich herzlich zum 20-jährigen Jubiläum, das am 24. Oktober in Salzburg begangen wird! Neben anderen wird dort Jeffrey Lee, der letzte Überlebende des australischen Djok-Clans, ausgezeichnet. Bekannt aus dem Film »Yellow Cake«, weigert sich Lee, sein Ahnenland zur Uranförderung zu verkaufen: »Es ist heiliges Land. Wer sein Gleichgewicht stört, beschwört Unheil herauf.« Lees Beispiel führte mir die besondere Haltung des NFFA vor Augen: Dekolonisierung bedeutet nicht nur, kulturelle Schranken zu überwinden, sondern auch, die Mensch-NaturBeziehung zu transformieren. Ökologisches, friedensstiftendes und dekolonisierendes Engagement ist untrennbar miteinander verbunden: Indigener Widerstand ist nicht ohne den Uranabbau zu verstehen – die Anti-Atomkraft-Bewegung nicht ohne die indigene Perspektive. Mehr als 50 Prozent der weltweiten Uranvorkommen ruhen unter Ureinwohnerland.

Im Anschluss an die Preisvergabe wird am 25. Oktober gemeinsam mit der Leopold-Kohr-Akademie zu einem Symposion geladen: »Für ein atomfreies Europa der Regionen – Anleitung für eine notwendige Utopie«

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Matthias Fersterer
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