The
Nuclear-Free Future
Award

in the Category


SOLUTIONS

is presented to

YVES MARIGNAC

FRANCE

Heiden
29 September 2012

Yves Marignac

Unabhängige Experten in Sachen Atom- und Energiepolitik sind in Frankreich selten, obgleich das Land im Bereich Atomstromproduktion zur Weltspitze gehört. Yves Marignac ist einer der ganz wenigen, deren Sachverstand und Kritikfähigkeit als unbestritten gelten. Seine Berichte und Stellungnahmen werden beispielsweise von den Verantwortlichen bei der Atomaufsichtsbehörde “Autorité de Sureté Nucléaire” (ASN) oder des Instituts für Strahlenschutz und Reaktorsicherheit “L’Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire” (IRSN) ernst genommen. Dies zeigte sich, als Marignac Anfang 2012, gemeinsam mit Arjun Mahhijani und im Auftrag von Greenpeace Frankreich, einen 178-Seiten- Report veröffentlichte: eine detaillierte Gegenexpertise zu den Ergebnissen der Post-Fukushima-Stresstests im Land, die konkrete Basismängel der Sicherheitsbewertung der französischen Atomanlagen aufdeckt.

Unmittelbar nach der Publikation luden ASN und IRSN die beiden Autoren zu internen Fachdebatten zu sich an den Tisch: eine Premiere! Einen Monat zuvor war das “Manifest négaWatt” erschienen: laut dem Energie-Szenario für das Jahr 2050 kann Frankreich bis dahin Atomstrom-frei sein, schreibt Mitautor Yves Marignac, Koordinator der einjährigen Arbeit am Szenario. Dieses gilt heute, neben dem “energiepolitischen Ausblick” der kürzlich abgewählten konservativen Regierung, als einzig bedeutsames Konzept.

“Man meint dort tatsächlich, Wissen und Weisheit gepachtet zu haben.”

1997 kam Marignac zu WISE-Paris, einer eigenständigen und unabhängigen Einrichtung, die Informationen und Studien zu Energiefragen anbietet. Zuvor hatte er im Rahmen seiner Doktorarbeit vier Jahre lang die Welt der Atomlobby von innen kennengelernt. “Man meint dort tatsächlich, Wissen und Weisheit gepachtet zu haben”, entdeckte Yves Marignac zu seiner Verzweiflung. Seiner Auffassung von Demokratie läuft diese Einstellung völlig zuwider. Mit WISE-Paris will der nunmehr 43-Jährige, Büroleiter seit 2003, dank kritischer und langfristiger Analysen systemintern für mehr Transparenz sorgen.

Vor acht Jahren trat der Experte zudem dem Verein négaWatt bei, dem Ingenieure und Energie-Fachleute angehören, die Vorschläge für eine dauerhaft tragfähige Energiepolitik entwickeln. Im Folgejahr saß Marignac erstmals als “Gegen-Experte” bei einer öffentlichen Veranstaltung zur Atommüll-Politik auf der Bühne. Inzwischen gilt er vielen Einrichtungen als kompetenter und integrer Berater: vom EU-Parlament und dem französischen Wissenschaftsrat “Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire” (CNRS) über das Umweltministerium, der Atombehörde der OECD, des IRSN, bis zur internationalen Umweltschutzorganisation WWF.

In den vergangenen fünfzehn Jahren Ameisenarbeit hat sich Marignac den Ruf eines kreditwürdigen Spezialisten erworben. Damit gehört er zu der Handvoll Pioniere aus der französischen Zivilgesellschaft, deren Kritik und Anregungen von den “Nukleokraten” seit kurzem ernstgenommen – und berücksichtigt – werden. Der dreifache Familienvater will “Tropfen für Tropfen” das Fass zum Überlaufen bringen, um die französische Politik des “toutnucléaire” zu untergraben, und Alternativen, vor allem, eine andere Energiepolitik aufzuzeigen.