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Nuclear-Free Future
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TONY DE BRUM

MARSHALL ISLANDS

Washington DC,
28 Oktober 2015

Tony de Brum

Der neunjährige Tony de Brum war Augenzeuge, als 1954 das größte von den USA jemals gezündete Höllenfeuer, die Castle Bravo Bombe, detonierte – tausend Mal stärker als die von Hiroshima. „Es war am Morgen, ich war auf Fischfang draußen mit meinem Großvater. Er warf die Netze aus, und plötzlich war da ein lautloser heller Blitz – und dann eine Kraft, die Schockwelle. Alles verfärbte sich rot – das Meer, die Fische und das Netz meines Großvaters. Und wir waren immerhin 200 Meilen von Ground Zero entfernt. Diese Erinnerung lässt mich nicht los.“

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Die 867 ostmikronesischen Inseln – verteilt auf 180 Quadratkilometer – betrachteten die Vereinigten Staaten als Testgelände. Über 12 Jahre hinweg testeten sie, beginnend 1946, insgesamt 67 Atom- und Wasserstoff-Bomben in der Atmosphäre und unter Wasser. Das Bikini Atoll wurde dabei zu einem Signet von Horror und Schrecken.

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Senator De Brum, heute amtierender Außenminister der Republik der Marshall Inseln, verbrachte einen Großteil seines Berufsleben damit, für Schadensbeseitigung (clean up) und Entschädigung Strahlengeschädigter auf den Marshalls zu kämpfen. Dabei hatte er nie nur die Wirkung, sondern auch die Ursache im Auge. Denn der heiße Kern des Übels ist Nuclear Power, ein Komplex, ohne den auch die Atomwaffen-Arsenale nicht in der Welt wären.

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Erst kürzlich strengte de Brum vor dem Internationalen Gerichtshof im Namen der Marshall Inseln – aber mit der moralischen Unterstützung unzählbar vieler Menschen – eine Klage gegen die Unterzeichner des Non-Proliferation Treaty (NPT) an. Kurz gesagt: wegen Untätigkeit trotz einschlägiger Absichtserklärungen. Im Plenum der Vereinten Nationen erläuterte der Mann von den flachen Inseln am 27. April 2015: „Die erheblichen Defizite bei der Implementierung des NPT sind keineswegs nur das Ergebnis von Gesetzeslücken, sie beruhen auch auf dem Scheitern bei der Implementierung unstrittiger Menschenrechte.“ Und de Brum warnt vor trügerischer Sicherheit: „Es stimmt, dass sich langsam weltweit die Gesamtzahl nuklearer Waffen verringert hat. Aber niemand kann aufrichtig behaupten, dass sechzehntausend Nuklearwaffen schon die Schwelle zur globalen Sicherheit markieren. Wir beobachten, wie Nuklearnationen sie modernisieren und weiter ausbauen (…). Es gib kein Recht auf „unbegrenzten Besitz“ …“

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Bann aller Atomwaffen und Kampf gegen die fortgesetzte Aufheizung der Erdatmosphäre sind seit Jahren die thematischen Felder, auf denen de Brum unterwegs ist. Und das Menetekel für gigantisch große Küsten- und Inselregionen bildet der Siebzigjährige am wirkungsvollsten in lokalen Erd- und Wasserfarben ab: Das Inselvolk, das schon einmal verstrahlte Teile seiner Heimat entsiedeln musste, muss nun niedrig gelegene Landesteile räumen, bevor sie vom steigenden Meeresspiegel getilgt werden. Den Marshalls droht – im Wortsinne – Untergang. Heimatvertreibung in zwei Etappen: Flucht vor Verstrahlung und Flucht vorm Tod durch Ertrinken. Und in beiden Fällen sind es menschengemachte Katastrophen, die Opfer fordern und die Opferbereitschaft derer, die sich dagegen stemmen.

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Tony de Brum wurde über die Jahre zu einem anchor man all derer, die weltweit gegen den atomaren Komplex sowie gegen Weltuntergang der Küsten und Inseln kämpfen. De Brum wurde zur „öffentlichen Person“, weil es ihm, wie nur wenigen, gelang und gelingt, öffentlich zu machen, wie menschliches Handeln, beziehungsweise Nicht-Handeln, tötet. Wenn der Overkill des Grauens – Strahlentod und/oder Tod durch Ertrinken – droht sprachlos zu machen , braucht es Sprecher, braucht es möglichst viele de Brums.