The
Nuclear-Free Future
Award

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SPECIAL RECOGNITION

is presented to

SOUTHWEST RESEARCH & INFORMATION CENTER

USA

Window Rock
1 December 2006

Southwest Research & Information Center

Land of Enchantment: New Mexico. Kaum ein Touristenprospekt, der nicht versucht, diesen Bundesstaat im Südwesten der USA als Vergnügungspark der Verzauberung anzupreisen. Der Duft von Kiefern, Wacholder, Salbei umspielt die Adobe-Architektur der Pueblos, das Abendlicht lässt sie zu Städten aus Gold werden. In Santa Fe verschmelzen Schönheit, Kitsch und Klischee zu einem Vorhang, der die Schrecken der Welt verhüllt. New Age und Old Turquois Jewelry, Sweet Dreams and Hot Chili Peppers. Gebackenen Romantik zur Wellness-Kur.

Doch hinter der Fassade lauert der Tod: Die Wüste von White Sands birgt noch immer die Strahlung von 1945, als unter dem Decknamen der Dreifaltigkeit die erste Atombombe hoch ging. In den östlichen Canyons der Yemez Mountains durchkreuzen die Hiking Trails von Plutonium getränkte Abfallplätze der Labors von Los Alamos. Über die Uranminen im Indianerland strich Jahrzehnte der Wind und hauchte auf das Land der Verzauberung einen strahlenden Schleier.

Für die Attraktionen ist jedes Tourist Office ansprechbar, doch wohin wendet man sich bei radioaktiver Gefahr? Die Adresse lautet: 105 Stanford SE, Albuquerque, NM 87106 – dort hat das Southwest Research & Information Center seinen Sitz. Seit 1971 gehen hier selten die Lichter aus – in irgendeinem Büro sitzt immer ein SRIC-Mitglied und arbeitet an den Themen, die im Südwesten besonders unter den Nägeln brennen: die Auswirkungen der Uranproduktion; Aufklärung und Bildung in Umwelt- und Energiefragen; Sicherheitsstandards bei der Lagerung von Nuklearmüll.

“Im Department of Energy weiß man, dass es sich nicht lohnt, mit uns auf Konfrontationskurs zu gehen.”

Die Situation der Navajo, deren ahnungslose Bergleute im Uranabbau geopfert wurden, bestimmte in den 70er Jahren die Arbeit der SRIC-Mitarbeiter, die erstmals unabhängige medizinische Daten zusammentrugen und Rechtsbeistand für Klagen vorbereiteten. Als der US-Kongress 1990 ein Gesetz zur Widergutmachung für Uranbergarbeiter und deren Angehörige verabschiedete, dienten die SRIC-Daten als Grundlage. Zehn Jahre später wurde das Gesetz erweitert und umfaßt heute alle indianischen Bergleute,die vor 1971 in der Uranerzgewinnung tätig waren. Auch dies geht auf SRIC zurück.

Die Arbeit riß nicht ab: Nachdem die US-Regierung in den frühen 80er Jahren ihre Pläne für ein unterirdisches Pilotprojekt zur Lagerung von Strahlenmüll – WIPP: Waste Isolation Pilot Project – in New Mexico bekannt gab, konzentrierte sich die Arbeit auf Sicherheit, Aufklärung und Mitwirkung der Bürger. Den Augen der kleinen SRIC Mannschaft – Annette Aguayo, Steve Fox, Don Hancock, Frances Ortega, Paul Robinson and Chris Shuey – entgeht nichts. Auf SRIC ist Verlaß. Wie Fährtenleser patroulieren sie durch das ‘Land of Radiation’ und mischen sich ein im Namen jeder, die von oben im Ungewissen gehalten werden. Dies betrifft auch die geheimen Tätigkeiten der Sandia National Laboratories in den Sandia Mountains westlich von Albuquerque, die Pantex Plant in Texas, sowie alle Anlagen der USA, die radioaktiven Abfall nach Carlsbad im Süden New Mexicos fahren; dort sitzt WIPP. Die Rolle, die das Southwest Research and Information Center im Südwesten spielt, ist die Rolle, die heute allen NGOs zukommt: Als dritte Kraft in einer Demokratie das Um-sich-schlagen der Konzerne zu zügeln und zu kontrollieren. Chris Shuey: “Im Department of Energy weiß man, dass es sich nicht lohnt, mit uns auf Konfrontationskurs zu gehen.”

–Claus Biegert