The
Nuclear-Free Future
Award

in the Category


SPECIAL RECOGNITION

is presented to

PHIL HARRISON

USA

Window Rock
1 December 2006

Phil Harrison

Phil Harrison, geboren am 11. Juni 1950, vom Red House-Clan der Diné mütterlicherseits und väterlicher seits vom Red-Sand-Run-Into-The-Water-Clan, kann nicht ohne Tränen über Uran sprechen. Zuviel Leid hatte er schon früh vor Augen. Am 16. September 1992 stand er beim World Uranium Hearing in Salzburg vor dem internationalen Board of Listeners und erzählte mit seiner leisen, sanften Stimme vom Tod seines Vaters und den Albträumen, die sein Aufwachsen begleiteten. Weder Mundschutz noch Handschuhe trugen die Arbeiter, die in den unbelüfteten Minen sich mit Pickeln abmühten. Lungenkrebs, Silikose, Leukämie und Hautkrebs wurden die Krankheiten der Bergleute. Phils Vater starb mit 43 Jahren. Viele Väter starben jung und hinterließen verzweifelte Familien. Diese bauten ihre Häuser auf den Geröllschutt der Abraumhalden und waren damit weiter hin der Strahlung ausgeliefert.

Phil Harrison ließ aus seiner Verzweiflung eine Kraft wachsen, die ihn bis heute antreibt. Er will Anerkennung und Wiedergutmachung für die menschlichen Opfer, die sein Volk für die nukleare Gesellschaft gebracht hat. Nicht mehr und nicht weniger. Dass dies zu einem Kampf werden sollte, lag nicht an ihm – es ist die andere Seite, die immer wieder versucht, Unrecht als Recht zu erklären und mit dem Mantel des Rechts neues Unrecht zu schaffen. Die Erklärung, man habe damals nichts über die Gefahren gewußt, weist Phil sofort als Lüge ab: Ein Report des U.S. Public Health Service von 1952 berichtet bereits über die tödlichen Folgen von Radongas bei Uranbergleuten in Europa. Dennoch unterließen es Union Carbide und Kerr McGee (hier arbeitete die ermordete Karen Silkwood), ihre Arbeiter mit einem Mindestmaß an Schutz auszustatten.

“Man muß mit einem Fuß im Grab stehen, um in Washington Ansprüche stellen zu können.”

In den 80er Jahren gründete Phil mit Gleichgesinnten das Uranium Radiation Victims Committee und begann, gemeinsam mit anderen Gruppen die ermüdende und unverzichtbare Lobbyarbeit in Washington, D.C. Die Arbeit trug Früchte: 1990 verabschiedete der Kongress den Radiation Exposure Compensation Act (RECA). Wer die Kriterien erfüllte, konnte mit Zahlungen bis zu 100 000 Dollar rechnen. Diese Kriterien sind es, die Phil Harrison zornig werden lassen und die ihn weiterhin an seinen Schreibtisch in Shiprock zwingen. Gestand ein Arbeiter ein, dass er bei Stammeszeremonien heiligen Tabak geraucht hatte, fiel er durch das Raster; hatte einer nicht genügend lange in den Minen gearbeitet, hatte er keine Ansprüche; konnten weder Geburtsurkunde noch Arbeitspapiere von damals vorgelegt werden, brauchten die Witwen gar nicht erst einen Antrag stellen. »Man muß mit einem Fuß im Grab stehen, um überhaupt Ansprüche stellen zu können«, kommentiert Phil die Lage, als er 1994 zum Radiation Advisory Committee gehörte, einem Beraterstab Präsident Clintons.

Während Phil sich mit den Verbrechen der Vergangenheit befaßt, nähert sich Leetso, das gelbe Monster – so nennt sein Volk das Uranerz – von Neuem: Hydro Resources, eine Tochterfirma von Uranium Resources in Dallas, will, ungeachtet des 2005 verabschiedeten Navajo Resources Protection Act, bei Church Rock und Crownpoint ans radioaktive Erz. Diesmal mit Maschinen: Das Uran soll in der Erde – in situ – chemisch vom Gestein gelöst werden. Eine Verseuchung des Grundwassers, so ließ Hydro Resources aus Texas verlauten, sei nicht zu befürchten. “Keine Gefahr”, sagte der Sprecher der Firma.

“Das hören wir nicht zum ersten Mal”, sagt Phil.

–Claus Biegert