The
Nuclear-Free Future
Award

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RESISTANCE

is presented to

M. RICE, M. WALLI, G. BOERTJE-OBED

USA

Washington DC
28 Oktober 2015

Megan Rice, Michael R. Walli, Gregory I. Boertje-Obed

Wir erlauben uns, zu träumen: Demnächst könnte der Heilige Vater bei morgendlicher Lektüre des L‘Osservatore Romano („Betagte Nonne, in den USA verurteile Friedens-Aktivistin, erhält Preis des Nuclear Free Future Award „) einen Freudenschrei ausstoßen. Anschließend – wir träumen weiter – könnte er die gesamte Christenheit bitten, im Geiste der katholischen Nonne Megan Rice mutig gegen ein die Menschheit bedrohendes Übel aufzustehen. In Worten, Gebeten und mehr noch in Taten.

Mit oder ohne höchsten Segen: Es gilt zu preisen! Wen, warum und wofür?

Am 28. Juli 2012 brach Megan Rice, damals 82, gemeinsam mit Michael R.Walli (63) und Gregory I. Boertje-Obed (57) in einen sogenannten „Y-12 Security Complex“ in Oak Ridge, Tennessee ein: einen der streng bewachten Orte, an denen die Vereinigten Staaten hoch angereichertes, waffenfähiges Uran lagern. Die drei – alle Mitglieder von „Transform Now Plowshares“ („Jetzt Schwerter zu Pflugscharen“) – sprayten Friedensparolen auf Einrichtungen, die bis dato als völlig unerreichbar für Nicht-Zugangsberechtigte galten. Sie hissten mitgebrachte Friedensfahnen, hämmerten eine festungsartig gesicherte Lagerungseinrichtung für Uran-Material auf, verspritzten Blut aus kleinen Flaschen auf den Bunkerwänden und hinterließen Botschaften wie „Die Frucht der Gerechtigkeit ist Frieden“.

Als nach mehr als zwei (!!) Stunden die Sicherungsmannschaft bei den Dreien eintraf, fand sie Megan, Michael und Gregory singend, in ihren ausgestreckten Armen Kerzen, die Bibel und Rosen. Vom Bunker in Oak Ridge bis in die Gefängniszellen in Ocilla/Georgia führte für Megan und ihre beiden „Mittäter“ ein Weg, flankiert von Ermutigungen, Solidaritätsadressen und Mahnwachen. Aber sie trafen auch auf ihren Pontius Pilatus, auf Jeffrey Theodore, den stellvertretenden Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Tennessee, der für die Ausnutzung der „größten Sicherheitslücke in der US-Geschichte atomarer Einrichtungen“ (New York Times) eine exemplarische Bestrafung forderte, denn es gäbe keinen Präzidenzfall dafür, dass internationales Recht, auf das sich die Angeklagte beriefen (non proliferation treaty), dazu berechtige, US-Gesetze zu brechen.

Die Anklage machte unter anderem „Vergehen gegen Zutrittsverbote“ und „Zerstörung von Regierungsbesitz“ gegen die drei geltend, die sich in ihrer Verteidigung auch und besonders auf das christliche Gebot der Friedfertigkeit beriefen. Die Versuche, Schwester Megan so etwas wie wohlmeinende Naivität vorzuhalten, gingen scheppernd daneben: Megan Rice ist – unter anderen, zum Beispiel pädagogischen Qualifikationen – diplomierte Zellbiologin (Master`s Degree des Boston College) und en detail informiert über die Verletzlichkeit lebendigen Gewebes durch Strahleneinwirkung.

Am 18. Februar 2014 ergingen die Urteile: für Rice 35 Monate, für Walli und Boerje-Obed jeweils 62. Schwester Megan sagte, als man sie nach Reue oder Bedauern befragte: „Ich bedaure, dass ich das nicht schon vor siebzig Jahren getan habe.“

Mary Evelyn Tucker, Direktorin des Forum für Religion und Ökologie in Yale, sieht den Widerstand von Schwester Megan Rice und ihrer Mitstreiter Mike Walli und Greg Boerje-Obed in der großen Traditionslinie Gandhi /Luther-King / Mandela. Heilige alle samt? Ja, in dem Sinne, dass sie große Heiler menschengemachter Übel waren. In der ersten Enzyklika des amtierenden Papstes Franziskus (die er – wie berichtet wurde – vor der Einrede zahlreicher Industrie-Lobbyisten und einer ultra-orthodox-katholischen US-Denkfabrik schützen musste) ist vielfach davon die Rede, die Erde gegen die Maßlosigkeit der Menschen zu beschützen und zu bewahren.