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Nuclear-Free Future
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EDUCATION

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KATSUMI FURITSU

JAPAN

Heiden
29 September 2012

Kastumi Furitsu

Der Eid des Hippokrates bindet Ärzte an die Pflicht, zu helfen, wenn sie Zeuge eines Unfalls sind, wenn Notleidende medizinische Hilfe brauchen. Katsumi Furitsu muss die Leidenden nicht sehen – sie fühlt sich bereits von der Pflicht gerufen, wenn ihr zu Ohren kommt, dass woanders Menschen leiden. So ging sie – damals noch keine Ärztin – nach Vietnam, um den Opfern von Agent Orange, dem amerikanischen Entlaubungsgift, zu helfen. Zwischen 1961 und 1971 waren rund 400 000 Menschen verstümmelt oder getötet worden, etwa eine halbe Million Kinder wurden mit Behinderungen geboren. Darüber aber spricht sie kaum, das sei ja lange her, sagt sie. Man erfährt es erst, wenn man sie lange genug kennt. Bescheiden ist sie und unbeirrt.

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Kaum eine Krisenregion nuklearer Verseuchung, die sie nicht besucht hat, um den Betroffenen zu helfen. So war sie bei den Downwinders der Nevada Test Site, bei den Anwohnern der Plutoniumfabrik Hanford im US-Staat Washington, bei den Veteranen des Golfkriegs, die an den Folgen der Uranmunition leiden, und natürlich war sie nach dem GAU von Tschernobyl immer wieder in Weißrussland, Russland und der Ukraine.

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Katsumi Furitsu hatte sich schon als Medizinstudentin in den Achtzigerjahren kundig gemacht, welchen Strahlenbelastungen AKW-Arbeiter im japanischen Normalbetrieb ausgesetzt sind. Und schon früh richtete sie ihr Augenmerk auf den unheilvollen Beginn der atomaren Kette: den Uranabbau. Sie nahm Messungen vor, um die Maßlosigkeit des atomar-industriellen Komplexes zu belegen. Und sie ließ sich nie einschüchtern.

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“Wichtig ist, dass die Gesundheit der Betroffenen langfristig beobachtet wird und dass sie umfassend medizinisch betreut werden, um gesundheitliche Schäden wenigstens so gering wie möglich zu halten.”

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Jetzt fährt sie, obgleich in Osaka ansässig, jeden Monat nach Fukushima, um dort einige Tage den Ärzten beizustehen. Sie erlebte dort, dass sich die Desinformationspolitik von Regierung und AKW-Lobby fortsetzt, obgleich noch unter der Schockwelle der Ereignisse vom März 2011 Besserung gelobt wurde. “Richtwerte – das scheint die Maxime der AKW-Betreiber und Politiker zu sein – sind Richtwerte, wenn wir, die Fachleute, uns nach ihnen richten … oder sie für unsere Belange einrichten können,” sagt sie.

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Dr. Furitsu möchte ihre leidgeprüften Mitbürger davor beschützen, dass sie mit den Folgen und Spätfolgen des Fukushima-GAUs allein gelassen werden, dass Menschen zur Opfermasse einer überlebten Technologie werden: “Wichtig ist, dass die Gesundheit der Betroffenen langfristig beobachtet wird und dass sie umfassend medizinisch betreut werden, um gesundheitliche Schäden wenigstens so gering wie möglich zu halten”, sagt sie und fügt hinzu, dafür sei es unerlässlich, “dass die Menschen die Situation verstehen und einschätzen können. Auch um ihren Forderungen nach einer adäquaten Unterstützung Gewicht zu verleihen und die Regierung aufzufordern, ihre Pro-Atom-Politik endlich zu beenden.”

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Furitsu betreibt derzeit das, was Mediziner “Nachsorge” und “Krankheitsbegleitung” nennen: Die Behandlung verwundeter, geschädigter Organismen … und Seelen. Aber sie versteht ihren Einsatz als Arbeit für eine Welt, die nur “nuclear-free” sein kann, wenn sie besser sein soll.