The
Nuclear-Free Future
Award

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SPECIAL RECOGNITION

is presented to

JOE SHIRLEY JR. and GEORGE ARTHUR

NAVAJO NATION

Oslo
24 September 2005

Joe Shirley Jr. und George Arthur

Leetso, das dreckige, gelbe Monster ist zur Strecke gebracht – die Waffe war ein Füllfederhalter. Leetso ist in der Sprache der Diné (wie sich die Navajo selbst bezeichnen) der Name für Uranoxid. Yellowcake lautet die radioaktive Ware im internationalen Handelsjargon. Seit der Navajo Schafhirte Paddy Martinez im Sommer 1950 in der Nähe von Grants, New Mexico, schimmerndes Gestein entdeckt hatte, war das Colorado Plateau von einem Uran- Boom erfasst worden. Die Männer der Diné hatten die Schafherden ihren Frauen und Kindern überlassen und waren unter die Erde gegangen – ohne Schutz vor der Alpha-Strahlung, die beim Abbau frei wird. Zwanzig Jahre später kamen die ersten Fälle von Lungen- und Hautkrebs bei den indianischen Bergleuten. Kaum eine Familie der Navajo, die heute nicht Angehörige zu beklagen hat.

Die Medizinmänner waren ratlos. Sie sahen die Ursache in dem Monster, das nach ihrer Mythologie im Berg Tsoodzil, dem südlichen ihrer vier heiligen Berge begraben liegt. Am Fuße von Tsoodzil, auf den amerikanischen Landkarten Mount Taylor genannt, war von 1979 bis 1990 die größte Tagebau- Uranmine der USA. Die Ältesten gaben dem Monster Yeetso einen neuen Namen: Leetso.

“Die Männer der Diné waren unter die Erde gegangen – ohne Schutz vor der Alpha-Strahlung, die beim Abbau frei wird.”

Die offenen Abraumhalden neben den still gelegten Minen, gut 1000 an der Zahl, sorgen, Wind und Regen preis gegeben, nach wie vor für Verseuchung. Trotzdem tolerierten die sich abwechselnden Stammesregierungen die Urangewinnung; die Einnahmen für den Stamm dienten der Rechtfertigung. Inzwischen ist eine neue Generation an der Macht, eine Generation, die ihre Verantwortung gegenüber den noch Ungeborenen begreift. An Kämpfern aus den eigenen Reihen fehlte es nie: Gilbert Bedonie, Norman Brown, Ed Carlisle, Mitchell Capitan, Rita Capitan, Phil Harrison, Larry King, Johnny Livingston, Anna Rondon, Earl Saltwater, Kathleen Tsosie, Louise Yellowman, und Al Waconda.

Nun, da die Bush-Administration 30 Millionen Dollar für die Erkundung neuer Uranreserven bereitgestellt hat, hat die Navajo Nation ihre begrenzte Souveränität zum Einsatz gebracht und mit dem Diné Resources Protection Act neuen Zugriffen vorgebeugt. Eine klare Antwort – und ein klarer Gegenentwurf. Wir danken George Arthur, dem Verfasser des Gesetzes, und Präsident Joe Shirley Jr., der es mit seiner Unterschrift in Kraft gesetzt hat.

–Claus Biegert