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HANS SCHUIERER

GERMANY

Munich
14 Oktober 2014

Hans Schuierer

Es war einmal ein Mann, der dachte, er sei König und das Volk habe ihm zu gehorchen. Im Volk gab es jedoch einen Mann, der wollte sein Volk bewahren vor Befehlen des Mannes, der dachte, er sei König. Denn dessen Beschlüsse waren mitunter waghalsig und gefährlich für das Volk. Und als der Mann, der dachte, er sei König, wieder einmal einen seiner Atom-Räusche hatte, da stand der Mann, der sein Volk schützen wollte auf und … Leser aus Bayern wissen längst, von wem die Rede ist, denn was wie ein Märchen klingt, war einst ungemütliche Realität:
Ja, die Rede ist vom post-monarchen bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß und dem aufmüpfigen Landrat des oberpfälzer Landkreises Schwandorf, Hans Schuierer.

Menschen wie Hans Schuierer haben gewisse Werte, auf die sie ihr Handeln aufbauen. Auch Menschen wie FJS haben ihre Werte. In dem Dörfchen Wackersdorf krachten diese Werte aufeinander. Die atomare Wiederaufbereitungsanlage (WAA), um derentwegen der Ministerpräsident und der Landrat aneinander gerieten, wurde nie gebaut. Daran ist leicht zu erkennen, wer gewonnen hat. Es klingt wie ein Wunder und es war vielleicht auch eines.

Am 6. Juni 1989 gab das bayerische Umweltministerium bekannt, dass es in Wackersdorf keine atomare Wiederaufbereitungsanlage geben werde. WAA: Diese drei Buchstaben standen für einen jahrelangen Ausnahmezustand in der Oberpfalz. Hubschrauber warfen Granaten mit Tränengas auf Menschen, die noch nie demonstriert hatten, die jetzt einfach sich und ihre Heimat schützen wollten. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik setzte die Polizei bei einer Anti-Atom-Demonstration sogar das gefürchtet CS-Gas ein, das die USA in Vietnam eingesetzt hatten – selbst gegen Kinder. Es war Krieg in der Oberpfalz. Drei Menschen starben, hunderte wurden verletzt.

Gegen die Gewalt von oben Stand zu halten, erfordert enorme Kraft. Eine solche Kraft bringt man nicht alleine auf. Der Widerstand der Menschen im Taxöldener Forst wurde gestützt durch den obersten Politiker im Landkreis: Hans Schuierer. Der unbestechliche Landrat verweigerte die Baugenehmigung, demonstrierte gemeinsam mit seiner Frau Lilo und unterstützte die Demonstranten beim Bau ihres Hüttendorfes. Das kam einem Landesverrat gleich. Die bayerische Staatsregierung, in der die CSU die Mehrheit hatte, verabschiedete die „Lex Schuierer“ (Art. 3 b Bayerisches Verwaltungsgesetz), die den „Selbsteintritt der Verwaltung“ regelt und dem Freistaat das Recht gibt, das Landratsamt zu vertreten. Und Schuierer, SPD, sollte des Amtes enthoben werden; vier Jahre dauerte der Rechtsstreit, bis das Landgericht Regensburg das Verfahren einstellte

Hans Schuierer war zu einer Symbolfigur geworden. Der gelernte Maurer, Jahrgang 1931, ließ sich nicht an der Nase herum führen. Franz-Josef Strauß beschuldigte ihn „der Sabotage“ und wollte ihm weismachen, die nukleare Wiederaufbereitungsanlage sei „nicht gefährlicher als eine Fahrradspeichenfabrik“. Verarschen läßt sich ein oberpfälzer SPD-Landrat nicht, schon gar nicht vom ersten Mann im Staat.

2005 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2011 wurde er Ehrenbürger von Schwandorf. Wir sehen es als eine Ehre an, ihm 2014 den NFFA-Ehrenpreis für sein Lebenswerk zu überreichen.