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Nuclear-Free Future
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HANS-JOSEF FELL

GERMANY

Carnsore Point
8 September 2001

Hans-Josef Fell

Wie kann man Politiker und Vertreter der Energiewirtschaft davon überzeugen, dass ein Umstieg von der Atomenergie zu Erneuerbaren Energien notwendig, sinnvoll und dazu noch ökonomisch erstrebenswert ist? Durch Wissen und Erfahrung, gewiß, doch eine gewisse Immunität gegen Frustration und den Elan für unermüdliche Überzeugungsarbeit gehören dazu. Den richtigen Mix dieser Eigenschaften bringt der forschungspolitische Sprecher der Regierungsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Hans-Josef Fell, mit in den Bundestag.

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Der frühere Sportlehrer begann zuerst bei sich selbst: In seinem Haus im fränkischen Hammelburg installierte er 1985 eine Solarstromanlage und einen Pflanzenölgenerator. Zehn Jahre später blicken die Bürger nicht mehr nur auf das Fell’sche Dach: Die Mehrzahl der Bewohner von Hammelburg produzieren mit Photozellen auf ihren Hausdächern ihren eigenen Strom – und zwar mit der kostendeckenden Vergütung durch die Hammelburger Stadtwerke. Dieses Modell der “full cost rates” ist inzwischen in allen EU-Staaten ein Begriff.

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Nachhaltig gewirkt auf der internationalen Ebene hat Hans-Josef Fell besonders nach seiner Wahl zum Bundestagsabgeordneten 1998. Neben der maßgeblichen Mitgestaltung des deutschen “Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien”, das zum 1.4.2000 in Kraft getreten ist und ein weltweites Echo ausgelöst hat, hat Fell verschiedene Förderprogramme für Erneuerbare Energien mit durchgesetzt, z.B. das umfassende Marktanreizprogramm für Erneuerbare Energien und das Traktoren-Umrüstprogramm (von Diesel auf naturbelassene Pflanzenöle). Daneben hat er als forschungspolitischer Sprecher seiner Partei dafür gesorgt, dass die nuklearen Forschungsmittel in Deutschland deutlich gekürzt und die Zuschüsse für die Erforschung Erneuerbarer Energien signifikant erhöht wurden.

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“Die Mittel für die nukleare Forschung müssen drastisch gesenkt und dafür die Gelder für Erneuerbare Energien drastisch erhöht werden.”

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Hans-Josef Fells Initativen wirken über die deutschen Grenzen hinaus: Mit seiner Rede zum Ausstieg aus der Atomenergie in Istanbul am 8.2.2000 löste er ein unerwartetes Presseecheo in der Türkei aus, was letzlich dazu führte, dass Ministerpräsident Bülent Ecevit am 25.Juli 2000 erklärte, sein Land werde auf den Bau von neuen Atomkraftwerken verzichten und sich verstärkt der Energieeffizienz und der Energiegewinnung durch Windkraft und geothermischen Anlagen zuwenden. Im nuklearen Frankreich brachte er im selben Jahr durch zwei Reden die traditionelle Atomenergie-Politik ins Wanken: Derzeit wird in Paris an einem Gesetzentwurf zur “Einführung Erneuerbarer Energien auf dem Energiemarkt” gearbeitet. Ebenfalls für politischen Diskussionsstoff sorgten seine Beratungen in Japan, Taiwan, China, Polen, Kroatien und der Slowakei. Man gewinnt den Eindruck, wenn Fell seinen Fuß in ein neues Land setzt, erscheint dort die Diskussion über den Atomausstieg plötzlich als logischer nächster Schritt.

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Zur Zeit arbeitet Hans-Josef Fell vor allem im europäischen Energieforschungsbereich. Mit dem 6. Forschungsrahmenprogramm (2002-2006) beabsichtigt die EU-Kommission die Renaissance der Kernenergie durchzusetzen. Fell hat sich bereits mit Gleichgesinnten kurzgeschlossen und arbeitet an einem Gegenentwurf. Sein Konzept ist so einfach wie radikal: “Die Mittel für die nukleare Forschung müssen gesenkt und dafür die Gelder für Erneuerbare Energien drastisch erhöht werden.”

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–Claus-Peter Lieckfeld