The
Nuclear-Free Future
Award

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RESISTANCE

is presented to

GABRIELA TSUKAMOTO and
MOVIMENTO URÂNIO EM NISA NÃO (MUNN)

PORTUGAL

Heiden
29 September 2012

Gabriele Tsukamoto / MUNN

Was charakterisiert Menschen, die gegen den globalen atomaren Industriekomplex kämpfen? Dass sie auf verlorenem Posten kämpfen, dass ihre Niederlage feststeht?

Nein – keineswegs!

Gabriela Tsukamoto und der Organisation MUNN (Movimento Urânio em Nisa Não) könnte es durchaus gelingen, ihrer Heimatgemeinde Nisa in Portugal das Schicksal so vieler Uranabbaugebiete zu ersparen. Eigentlich schien es, als hätte der Ort, auf dessen Gemarkung bis 1991 Uran abgebaut wurde – und in dem noch immer krebskranke ehemalige Arbeiter um Entschädigung kämpfen – dieses dunkle Kapitel abgeschlossen.

Aber steigende Weltmarktpreise für Uran lockten Minenbetreiber wieder auf den Plan. Nisas Vorkommen werden auf einen derzeitigen Marktwert von 43 Millionen Euro geschätzt.

Die Abbauinteressenten kamen zuerst mit Mitgefühl: Das Uran in der Erde sei gesundheitsschädigend, man müsse es rausholen, um die Bevölkerung zu schützen. Mit ähnlicher Heuchelei waren die Indianervölker in der kanadischen Provinz Saskatchewan auch einmal geködert worden. Als man merkte, dass sich die Anwohner nicht für dumm verkaufen lassen, lockte man mit Geld und Arbeitsplätzen.

“Wir kämpfen gegen Millionen Euro und Millionen Tonnen von Abraum.”

Bürgermeisterin Tsukamoto und MUNN halten dagegen: Was sind schon 70 Arbeitsplätze – für rund fünf Jahre – gemessen an einigen hundert, die der etablierte Tourismus und eine landesweit gerühmte Veredelungslandwirtschaft einbringen und langfristig erhalten?

Gabriela Tsukamoto ruft die bitteren Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit in Erinnerung, wenn diejenigen, die es auf Yellow Cake abgesehen haben, buchstäblich das Blaue vom Himmel versprechen. Sie ermutigt Opfer der jüngeren Vergangenheit dazu – Kranke allzumal – öffentlich Zeugnis abzulegen.

MUNN sucht auch den Schulterschluss mit spanischen Aktivisten, die sich jenseits der Grenze, in der Extremadura, gegen das erneute Vordringen des Uran Abbaus aufstellen.

MUNN verbreitet Dokumentationen über Staubabwehungen in Abbaugebieten und Verstrahlung des Grund- und Oberflächenwassers. “Der Fluss Tejo ist unsere Lebensader – die verträgt keine Blutvergiftung”, sagen die Leute von MUNN. Und bisher wird der Widerstand von der örtllichen Bevölkerung getragen. Aber Abbaurechte werden im Wesentlichen in Lissabon vergeben … und Portugal befindet sich in prekärer Finanzlage.

Die 3600 Einwohner von Nisa dürfen nicht in Geiselhaft genommen werden, meint Gabriela Tsukamoto, die in jeder Fachdiskussion den Experten “der sauberen Energie” in ruhiger, aber unerbittlicher Argumentation die Konzepte durchkreuzt. Besonders wichtig ist es der Politikerin und MUNN, auch in Schulen präsent zu sein.

Und noch, so hört man es in Nisa am Tejo, ist der Kampf für eine Heimat ohne neuerlichen Uranabbau nicht verloren.

“Wir kämpfen gegen Millionen Euro und Millionen Tonnen von Abraum”, verkünden sie in Nisa. “Vor allem aber kämpfen wir für eine Zukunft, die nicht strahlt.”