The
Nuclear-Free Future
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LIFETIME ACHIEVEMENT

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FREDA MEISSNER-BLAU

AUSTRIA

Salzburg
18 October 2007

Freda Meissner-Blau

Der aufrechte Gang. Sollte man ihn bebildern, dann böte sich Freda Meissner-Blau an. So wie sie geht, geht sie mit Widrigkeiten um. Von unserer Jurorin Christine von Weizsäcker stammt eine Charakterisierung Fredas, die bereits alle nötigen Zutaten für ein Porträt enthält: “Wie leicht verkommt Schönheit zu gazettentauglichen Posen, rutscht Eigenwilligkeit in Absonderlichkeit ab, werden Kontaktfähigkeit und Eloquenz zur Manipulations waffe, endet Welter fahrenheit in Zynismus, erschöpft sich ein geistreicher Mensch in eitlen Geistreicheleien, führt Natur verbundenheit zu Menschenvergessenheit oder gar Menschenverachtung. Du bist, als Reichbegabte, den entsprechend reichlich vorhandenen Gefährdungen nicht erlegen.”

Freda Meissner-Blau wurde am 11. März 1927 als jüngstes von vier Kindern in Dresden und wuchs in einer Atmosphäre von Liberalität, Kunst- und Naturliebe auf. Dass ihr Vater wegen seiner Veröffentlichungen gegen das Nazi-Regime als “Staatsfeind” auf der Gestapoliste stand und nach England emigrieren musste, dass Freunde und Verwandte im Krieg starben, und dass sie die Feuernacht in Dresden miterlebte, dass sie in Belgisch-Kongo der 50er Jahre Zeugin des Widerstand gegen die Kolonialmacht war, ließen in ihr den Entschluss keimen, sich für eine friedliche und gerechte Welt einzusetzen.

“Geld ist nicht die Währung der Natur. Es kann nie den Wert des Lebens bemessen.”

Misstrauen gegenüber der Atomindustrie wuchs in ihr seit den 50er Jahren und gipfelte im Widerstand gegen das Atomkraftwerks Zwentendorf im Jahre 1978. Stefan Micko, Wolfgang Pekny und Peter Weish gehörten zu dieser Front ebenso wie Fredas Lebens partner Paul Blau. Kanzler Bruno Kreisky reagierte mit einer Volksabstimmung, die am 5. November 1987 mit einem knappen Sieg der Atomkraftwerksgegner (50,5 Prozent Nein-Stimmen) endete. Das Parlament beschloss ein “Atomsperrgesetz”, das die Nutzung der Kernkraft zur Energieversorgung verbot. Dieser Sieg gab ihr den Schwung, 1986 für die Grünen als Präsidentschafts – kandidatin durch die Lande zu ziehen. Für Freda Meissner-Blau ist der Kampf gegen die Nuklearindustrie immer Teil einer grundsätzlichen Veränderung: “Die Chimäre ständigen Wirtschaftswachstums in einer endlichen Welt wird immer noch von Regierungen, Bürokraten und Nationalökonomen verfolgt. Ihre Logik ist die Logik des Geldes…. Doch Geld ist nicht die Währung der Natur. Es kann nie den Wert des Lebens bemessen. Unsere Zivilisation wird nur überleben, wenn vormarktwirtschaftliche Ethik und Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft wieder Kategorien wirtschaftlichen und politischen Handelns werden.” Auf dem World Uranium Hearing 1992 gehörte Freda Meissner-Blau zu denen, die die Menschen aus aller Welt zusammenhielten und mit Mut füllten. Für uns ist es ein großes Bedürfnis, ihr zu danken.

–Claus Biegert