The
Nuclear-Free Future
Award

in the Category


RESISTANCE

is presented to

CHARMAINE WHITE FACE
and THE DEFENDERS
OF THE BLACK HILLS

LAKOTA NATION, USA

Salzburg
18 October 2007

Defenders of the Black Hills

Sobald Charmaine White Face über die He Sapa spricht, wird ihre Stimme weich, so als würde sie von ihren drei Kindern erzählen. He Sapa sind die Black Hills, ein Bergmassiv im Grenzgebiet der US Bundesstaaten South Dakota, Montana und Wyoming – für die Stämme der Lakota, Dakota und Nakota (im Frontier-Englisch gemeinhin die Sioux) das Herz allen Lebens, die Geburtsstätte ihres Volkes.

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1868 schloß die US-Regierung mit den vereinten Stämmen der Sioux in Fort Laramie einen Vertrag, der ihnen die schwarzen Berge zuerkannte – solange die Sonne aufgeht, so lange das Gras wächst und solange die Flüsse fließen. Dann wurde 1870 Gold entdeckt und der Vertrag von der Invasion der Glücksritter für immer zertrampelt. Hundert Jahre später fand man Uran und die US-Regierung mimte Reue und bot einen Haufen Dollars, um den Diebstahl von einst auf ein legales Fundament zu stellen. Die Antwort aus den Reservaten: The Black Hills are not for sale. Was heilig ist, ist unverkäuflich.

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Vor diesem Hintergrund gründete Charmaine White Face, eine Oglala-Frau aus dem Reservat Pine Ridge, vor fünf Jahren mit Gleichgesinnten die Organisation “Defenders of the Black Hills”. Die Verteidigung der Berge ist ein vielschichtiges Unterfangen, das gleichermaßen in die Vergangen- heit, wie in die Zukunft reicht und damit dem indianischen Zeitkonzept der immer währ enden Kreisläufe folgt:

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  • Seit 1978 gibt es den American Indian Religious Freedom Act, der den Ureinwohnern die Ausübung ihres Glaubens garantieren soll. Dazu gehört neben dem Gebrauch des hallizinogenen Kaktus’ Peyote und dem Besitz von Adlerfedern vor allem der ungehinderte Zugang zu ihren heiligen Plätzen. Der Schutz jener Plätze ist im Gesetz jedoch nicht enthalten.

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“Die Formel des Lebens in Lakota lautet: Metakuye Oyasin – wir sind alle verwandt.”

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  • Die Rückgabe der Berge ist für die vereinten Stämme noch immer ein erklärtes Ziel. Der USRegierung entlockt die Forderung nur ein Kopfschütteln – kaum jemand in Washington kann den indianischen Standpunkt verstehen. Zu den wenigen gehört Bill Bradley, Senator von New Jersey, der 1985 versuchte, ein Fünftel der Black Hills an die Eigentümer zurück zu führen. Der Versuch mißlang, stimulierte aber den Kampfgeist der Lakota, Dakota und Nakota, die bis heute das Geld nicht anrühren und auf die Erfüllung des 1868er Vertrags pochen. Dabei stützen sie sich auf Artikel VI der US-Verfassung: “Verträge bilden das oberste Gesetz des Landes.”

  • Die Entdeckung und Gewinnung von Uran in den Achtziger Jahren hat im Süden und Westen der Berge zu einer starken radioaktiven Verseuchung geführt. Bis heute warten die einstigen Bohrlöcher, Abraumhalden und Flutungsbecken auf Renaturierung und sorgen im Umland für erhöhte Konzentrationen von Radium 226, Arsen und Blei. Neue Gewinnungstechnologien, wie “In Situ Leach Mining”, führten vor wenigen Jahren zu einer Wiederentdeckung der Region durch die Uranindustrie. “In Situ” hinterläßt keine Abraumhalden, gefährdet aber das Grundwasser, da die Trennung von Uran und Gestein unterirdisch durch Säuren geschieht.

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Ob die “Defenders of the Black Hills” nun zu einem ihrer wissenschaftlichen Symposien einladen, eine Klage bei Gericht einreichen, sich mit Vertretern der Uranindustrie ein Wortgefecht liefern oder ob sie auf dem Lakota-Sender KILI Radio am Mikrophon sind, immer sorgt die Biologin und Autorin Charmaine White Face dafür, dass neben den wissenschaftlichen Daten auch die Philosophie ihres Volkes Raum hat. Und in dieser Philosophie ist der Mensch nicht die Mitte. Die Formel des Lebens in Lakota lautet: Metakuye Oyasin – wir sind alle verwandt.

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–Claus Biegert