The
Nuclear-Free Future
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LIFETIME ACHIEVEMENT

is presented to

ARMIN WEIß

GERMANY

Salzburg
18 October 2007

Armin Weiss

Die Atomlobby hat eine Verbündete, die körperlos und gefährlich abstrakt ist: Die Kompliziertheit der Materie. Und weil der Mensch sich unbehaglich fühlt, wenn es arg kompliziert wird, konnte die Atomlobby über die Jahre erfolgreich sein. Besonders dort, wo es um die “Vereinfachung” dessen geht, was sie tut und was sie lässt. Wie aber, wenn Vereinfachung zur Verharmlosung und damit zur Zwecklüge wird, zur Kampflüge?

Bei der sogenannten friedlichen Nutzung halfen der Lobby über die Jahre hinweg Begiffe wie “Wiederaufbereitung” und “Endlagerung”, um praktische, glatte, harmlose Lösungen zu suggerieren, wo keine sind.

Die Anti-AKW-Bewegung wäre hilflos geblieben, wenn es nicht Experten wie Professor Dr. Dr. Armin Weiß gegeben hätte – und zum Glück noch gibt –, die die schlimmen Vereinfachungen erkannt und entlarvbar gemacht hätten.

Armin Weiß wies in den Achtzigern in den hoch aufgeladenen Debatten um die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf darauf hin, dass schon bei der Wiederaufarbeitung von Brennelementen im Normalbetrieb ein halbes Prozent der Radioaktivität über Abluftkamine an die Umwelt abgegeben wird. Eine kleine Menge? Wohl kaum, angesichts der Mengen, die in der WAA-Wackersorf bei Volllast emittiert worden wären. (Dieses Detail ist nur ein winziger Ausschnitt aus seinen komplexen Aufführungen; aber in Chemie und Physik und in der Öffentlichkeitsaufklärung geht es ja häufig um wirksame Teilmengen.)

“Wir schaffen schon jetzt eine Erblast für künftige Generationen, die zuzulassen unethisch ist.”

Armin Weiß – das wissen wir heute – war ohne jede Frage ein match winner: Seine Fachkompetenz, half denen, die Wackersdorf schlussendlich verhindert haben, dabei die Nebelvorhänge der Bertreiber wegzupusten. Immer wieder waren es einfache nachprüfbare Aussagen, wie diese: “Aus einem Atomkraftwerk kommt radioaktives Jod überwiegend als Jod-131. Das hat eine physikalische Halbwertzeit von 8,1 Tagen. Aus einer Wiederaufarbeitungsanlage entweicht neben Jod-131 überwiegend Jod-129. Und das ist erst nach ca. 16 Millionen Jahren zur Hälfte zerfallen.” Wenn dann noch ein Bayerischer Poliker von den geplanten, sehr hohen Schornsteinen sprach, wusste das Wahlvolk, wie es solcherlei “Beruhigungen” zu werten hatte. Weiß sei Dank!

Armin Weiß ging noch ein Stückchen weiter als viele besorgte Wissenschaftler. Als Vertreter der (Mitte der Achtiger noch jungen Partei der) “Grünen” trug er die Opposion auch in den Bayerischen Landtag, in die Höhle des Bayerischen Löwen, wo mehrheitlich pro AKW gebrüllt wurde.

Sein Augenmerk galt aber, trotz lokalen Engagements, stets auch der weltweiten Bedrohung durch einen faulen Frieden mit der friedlichen Nutzung. Er zeigte auf, was sich hinter den offiziellen und den nicht so offiziellen Zahlen verbarg, die über La Hague/Frankreich und Windscale/Groß Britannien an die Öffentlichkeit drangen: “Neben aktuellen Gefahren schon jetzt eine Erblast für künftige Generationen, die zuzulassen unethisch ist”.

Am 5. November wird der gelernte und promovierte Chemiker Armin Weiss, in Stefling als jüngstes Kind eines Grundschullehrer-Ehepaares geboren, 80 Jahre. Der November ist in Deutschland reich an düsteren und an denkwürdigen Gedenktagen. Für die deutsche und die internationale Anti-AKW-Bewegung ist der 5.11. ein Glückstag.

–Claus-Peter Lieckfeld