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Nuclear-Free Future
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OLEG BODROV

RUSSIA

Munich
29 September 2010

Oleg Bodrov

Die Umstände, unter denen wir unseren Preisträger Oleg Bodrov im Januar 2002 in St. Petersburg nicht trafen, erzählen eine Geschichte. Der Physiker Bodrov war nicht am verabredeten Ort; der Tagespresse konnten wir später dann seinen Aufenthaltsort entnehmen: Bodrov lag auf der Intensivstation eines Krankenhauses, nachdem er auf einem Parkplatz zusammengeschlagen und seiner gefüllten Aktentasche beraubt worden war. Russlands Atom-Mafia hatte mal wieder schlagende Argumente.

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Der Physiker hatte sich über Jahre um die Praxis der Reaktor-Stilllegung gekümmert. Im April 2006 deckte er auf, dass es mit dem angejahrten Leningrader Reaktor keineswegs besser bestellt war als mit der atomaren Schrottmühle in Litauen, die unrühmlich in die Schlagzeilen geraten war. Oleg initiierte eine regionale Kampagne gegen die Errichtung eines Aluminiumwerkes im Finnischen Meerbusen; das Werk hätte seinen Strom vom Leningrader “Tschernobyl”-AKW bezogen – gewissermaßen ein neuer Sachzwang, um das Leningrader Wrack weiter segeln zu können.

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“Ich sammle Stimmen und sorge dort für einen Dialog, wo von oben Schweigen verordnet wird.”

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Im Mai 2007 organisierte er eine Studienreise zu einer AKW-Stilllegung in Greifswald – mit Lokalpolitikern, die in ihrem Wirkungskreis mit einem baugleichen Modell zu tun hatten. Das ist sein Stil: die Leute mit Situationen konfrontieren, um ihr Gehirn in Gang zu setzen. Er nennt sich einen “Philosophie-in-Bewegung-Setzer”.

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Früh schon erkannte er, dass sein Kampf gegen verantwortungslose Laufzeitverlängerung alter Atomanlagen eine “positive Grundlage” braucht. Daher gilt ein erheblicher Teil seines Engagements dem Einsatz für nachhaltige Energiegewinnung. Dabei kommt ihm seine Fähigkeit zugute, Kompliziertes und Komplexes klar und plastisch vermitteln zu können. Video-Aufklärung wurde sein Medium, auf kritischen Missionen reist er immer mit Kameramann. “Ich sammle Stimmen und sorge dort für einen Dialog, wo von oben Schweigen verordnet wird.” Solche Menschen sind gefährlich für all jene, die gern sparen: an Sicherheit, Verantwortung, Gesundheit.

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Oleg wird weltweit gehört. Es ist hoch an der Zeit, seine Laufzeit für die Zukunft zu sichern. Nach dem plötzlichen Tod von Lydia Popova (NFFA-Preisträgerin 1999) hat er die Leitung von Russlands führender Umweltinitiative “Green World” übernommen.

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– Claus-Peter Lieckfeld